Geräusche in Jazzmusik eingebunden

Maschinen liefern Rhythmus: Soundprojekt im Baunataler VW-Werk

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Auftritt in Joe’s Garage: Oliver Persch (Trompete, von links), Detlev Landeck (Posaune), Jens Dembowski (Saxofon) und Martin Rennicke (Bass) stellten mit weiteren Musikern das Projekt vergangene Woche vor. 

Kassel/Baunatal. Rhythmisch klackern und klingen Kegelräder vor dem Zusammenbau zu einem Getriebe, dazu zischelt ein Geräusch aus einer Druckluftleitung im Takt. Die Sounds kommen aus der Produktion im VW-Werk Kassel in Baunatal.

Der Kasseler Profi-Musiker Detlef Landeck und Jens Dembowski, Abteilungsleiter in der Getriebeproduktion bei VW und engagierter Hobbymusiker, haben Geräusche und Klänge von Maschinen aufgenommen und in Jazzmusik eingebunden. Daraus ist das „Soundprojekt von Volkswagen Kassel“ entstanden.

Ein bisschen erinnert der Klang der Maschinen an die Musik von Pink Floyd. Die britische Rockband hat in den 70ern ebenfalls Geräusche von Industriemaschinen in ihre Songs eingefasst. Im VW-Soundprojekt stampft beispielsweise eine 1600-Tonnen-Presse zum Klang von Saxofon, Gitarre, Bass, türkischer Saz und griechischer Busuki. An anderer Stelle kreischen mit bis zu 100 Dezibel Lautstärke Räder und Wellen, wenn sie im VW-Werk mit hohem Druck zusammengepresst werden.

Hier können Sie sich das Soundprojekt anhören .

„Wenn man mit Ohr in die Produktio n geht, wird einem bewusst, wie viele unterschiedliche Geräusche es gibt“, sagt Jens Dembowski (49). Wenn man einige Zeit auf einem Punkt verharre, merke man erst, „welche wahnsinnigen Sounds man um sich hat“. Ende des vergangenen Jahres entstand die Idee zum Soundprojekt. Er sei mit seinem Konzept bei den Verantwortlichen im Werk auf offene Ohren gestoßen, berichtet Dembowski. Kurzerhand habe er eine erste Aufnahme bei einer Sitzung des Werkmanagements abgespielt. „So ist das ins Rollen gekommen.“

Unter anderem präsentierten die Musiker ihre ersten Stücke in der Pause der jüngsten Betriebsversammlung und bei einem Konzert vergangene Woche in Joe’s Garage in Kassel. Dort verabschiedete sich Dembowski auch für zwei Jahre von seiner Jazzband Jixmazz. Er geht für den Autobauer nach Barcelona.

„Das Soundprojekt soll auf jeden Fall fortgeführt werden“, sagt Dembowski. Er werde von Spanien aus weiter mit den Musikern aus dem Baunataler Werk daran arbeiten. Auch gebe es erste Überlegungen, die Musik in die documenta 14 einzubinden. Es bestehe ein Austausch zwischen Detlef Landeck und documenta-Leiter Adam Szymczyk, so Dembowski.

30 Geräusche aufgenommen

Bisher gibt es zwei feste Stücke im Rahmen des Soundprojekts. „Insgesamt haben wir 30 Geräusche aufgenommen. Diese müssen weiter bearbeitet werden“, ergänzt Martin Rennicke aus der IT im VW-Werk. Er spielt Bass für das Soundprojekt.

Geräusche gibt es jedenfalls genug: Beim Rundgang durch das Werk bleibt Jens Dembowski immer wieder stehen und horcht auf Rhythmus, Stampfen, Klirren und Pfeifen der Maschinen.

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