VW: 75 Mio. für das eigene Kraftwerk - Strom wie für 200.000 Haushalte

Bekannter Anblick: Die Backsteinschornsteine des VW-Kraftwerks sind ein Wahrzeichen Nordhessens. Sie sind aber seit Jahren nicht mehr in Betrieb. An kalten Wintertagen ist der überschüssige Wasserdampf aus der Anlage besonders gut sichtbar. Fotos: Kühling

Baunatal. Jeder in der Region kennt die gut 100 Meter hohen Backsteinschornsteine auf dem Gelände des VW-Werk Kassel in Baunatal.

Diese Wahrzeichen Nordhessens sind zwar teilweise nicht mehr in Betrieb. Sie stehen aber immer noch symbolisch für das werkseigene Kraftwerk, das jüngst erheblich modernisiert und mit einer neuen Gasturbine als Herzstück ausgestattet wurde. Seit 2010 wurden laut Kraftwerkchef Matthias Barkowski am Standort 75 Millionen Euro durch die VW Kraftwerk GmbH investiert.

Die riesige Anlage aus Rohren und Turbinen versorgt die Produktionshallen mit 17.000 Mitarbeitern mit Strom und Wärme. 876.000 Megawattstunden elektrische Energie werden jährlich für den Betrieb der Maschinen vom Getriebebau über die Abgasanlagenfertigung bis zur Warmumformung benötigt. Damit könnte man knapp 200.000 Vier-Personen-Haushalte versorgen, erläutert Barkowski die Dimension.

Doch, obwohl das Kraftwerk das zweitgrößte im VW-Konzern nach dem in Wolfsburg ist, schafft es die Versorgung des Standortes in Baunatal nicht allein. Laut Barkowski hat das Werk einen Bedarf von 100 Megawatt, das eigene Kraftwerk erzeuge aber nur 75 Megawatt. „Die restlichen 25 Megawatt müssen wir aus dem Bilanzkreis entnehmen, in den auch das Kraftwerk in Wolfsburg einspeist.“

Insbesondere in diesen kalten Wintertagen steigt der Bedarf an Heizungswärme drastisch an. Bei zwölf, 13 Grad Minus, so Meister Uwe Casselmann, werden in der Stunde rund 28.000 Kubikmeter Gas benötigt, bei etwa null Grad seien es nur 17.000 Kubikmeter.

Das Kraftwerk in Baunatal arbeitet wie ein eigenständiges Wirtschaftsunternehmen. 36 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Seit April 2014 leitet Matthias Barkowski den Betrieb in Baunatal, er ist damit Nachfolger von Heinrich Nientiedt, der in den Ruhestand wechselte.

Das Gas für die Versorgung der neuen Siemens-Gasturbine wird von der Midal-Gas-Leitung bei Großenritte abgezweigt. Anschließend wird der Druck aus der Leitung von 90 bar auf 0,4 bar runtergeregelt. Direkt an den Verbrennungsprozes in der Gasturbine schließt sich eine ebenfalls neu aufgebaute Dampfturbine von MAN an. Aus dieser wird neben Strom unter anderem 90 Grad heißes Wasser für die Heizung im Werk sowie 125 Grad heißes Wasser für Waschmaschinen in der Produktion abgezweigt. Heizungswärme, so Barkowski, könne man durchaus noch an öffentliche Einrichtungen abgeben. „Man kann Wärme bei uns einkaufen."

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