„Immer noch überwältigt“

Revolverheld hinter den Kulissen: Ein Nachmittag mit der Band

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Die Revolverheld(en) Jakob Sinn, Kristoffer Hünecke, Johannes Strate und Nils Grötsch (von links) freuen sich auf das Open Air am 24. Juni im Baunataler Parkstadion.

Baunatal. Revolverheld haben in den vergangenen Jahren eine steile Karriere zurückgelegt. Wir durften die Band einen Nachmittag bei Proben und Freizeit-Aktivitäten begleiten.

Vom Studenten-Klub K19 mit 100 Zuschauern über das Musiktheater (400 Zuschauer) und dem Hessentags-Konzert in Hofgeismar (3000 Zuschauer) bis zum Open Air am 24. Juni im Parkstadion Baunatal und erwarteten 6000 Zuschauern haben Revolverheld in den letzten Jahren eine steile Karriere zurückgelegt.

Wir haben die Band einen Nachmittag begleitet, an dem u.a. für eine Fernsehaufzeichnung geprobt wurde, die am 4. August im hr-Fernsehen gezeigt wird, aber zwischen Freizeit-Aktivitäten auch Zeit für Gespräche in einer lockeren Atmosphäre war. Insofern sind ein paar Antworten in dem Interview bitteschön nicht bierernst zu nehmen.

Euer Unplugged-Konzert beginnt mit dem Song „Die Bands Deiner Jugend“. Was waren die Bands Eurer Jugend?

Johannes Strate: Wir haben alle Pearl Jam, Nirvana, all die Bands der Grunge-Ära und Guns N’ Roses gehört.

Kristoffer Hünecke: Bei mir kam noch deutscher HipHop dazu.

Ihr habt Euch von einer „lauten“ Band über eine Rockband mit einprägsamen Melodien und Refrains, die inzwischen schon geflügelte Worte sind, zu einer Band, die auch feinfühlige, leise Musik mit einem Orchester spielen kann, entwickelt. Wohin geht die musikalische Reise weiter?

Strate: Wir haben keinen Plan. So etwas entwickelt sich. Jetzt stehen bis Ende des Jahres Festival-Auftritte und Hallenkonzerte an. Danach wird es eine längere Pause geben mit viel Familienleben, Reisen usw. Dabei werden Ideen für neue Songs entstehen.

Was ist zuerst da? Die Melodie, der Text? Und woher kommen die Inspirationen?

Hünecke: Mal hat man einen Text, zu dem man eine Melodie sucht, mal ist es gute Hookline, zu der man einen Text schreibt. Die Inspirationen dazu sind vielfältig. Häufig sieht man etwas oder schnappt etwas auf, das man sich erst einmal aufschreibt.

Ihr kommt alle aus Fußballstädten, seid Bremen- und HSV-Fans. Warum spielt der Fußball in Euren Songs bisher keine große Rolle?

Strate: Eines tun wir nicht: Wir setzen uns nicht hin und sagen „darüber müsste man mal einen Song schreiben“. Die Inspirationen kommen, wie es Kristoffer eben sagte, auf andere Weise.

Viele Menschen mögen Euch besonders wegen Eurer Texte, die das Lebensgefühl Eurer Generation wiedergeben. Wen bewundert Ihr als Songschreiber?

Strate: Niels Frevert. In seinem Song „Zuhause sein“ hat er die großartige Zeilen geschrieben: „Und ich mach’ mir ernsthaft Sorgen, Sorgen um dich, um deinen Schneidezahn, den oben links aus Diamant.“ Ja, Niels Frevert und Mickie Krause.

Hünecke: Mickie Krause.

Kürzlich lief im Fernsehen eine Doku, da hast Du Dich mit Kathrin Bauerfeind, die Dir beim Umzug geholfen hat, in einem Café getroffen und so gut wie niemand hat davon Notiz genommen. War das fürs Fernsehen inszeniert, oder könnt Ihr Euch draußen bewegen, ohne von allen Seiten bestürmt zu werden.

Hünecke: Völlig frei. Wir leben in einer Stadt, in der es zig berühmtere Schauspieler gibt, in der ständig Weltstars aus allen Bereichen zu Gast sind. Da dreht sich niemand um.

Strate: Da, wo wir wohnen, im Stadtteil Eppendorf (Anm. der Red.: In der Nähe des Grills, in dem Olli Dittrich seine „Ditsche“-Episoden dreht,) leben viele Künstler, da kennt ohnehin jeder irgendwie jeden. Der Umzug wurde übrigens trotz…, nein, dank der Hilfe von Kathrin rechtzeitig vor Tourbeginn fertig.

Schon mal darüber nachgedacht, nach Berlin zu ziehen, was ja unter vielen Musikern sehr angesagt zu sein scheint?

Strate: Wir sind Norddeutsche. Nein, Berlin ist keine Option. Allerdings könnte ich mir vorstellen, wenn ich älter bin, in Südfrankreich zu leben.

Hünecke: Ich könnte mir vorstellen, auf Mallorca zu leben. (Da wäre es auch zu den Konzerten von Mickie Krause nicht so weit.)

Revolverheld: Hinter den Kulissen

Gibt es ein Bild auf Euren Handys, das Ihr immer dabei habt und nicht löscht, weil es Euch etwas besonderes bedeutet?

Strate: Es gibt nicht das ‘eine’ Bild, aber Fotos von meinem Sohn Emil sind immer dabei. Und natürlich ein Bild von Kristoffer, für den Fall, dass ich ihn mal ein paar Tage nicht sehe.

Hünecke: Ich habe Fotos von meinem Hund auf dem Handy und natürlich von Johannes, falls ich ihn mal ein paar Tage nicht sehe. Jetzt mal im Ernst: Das Smartphone ist eine der großen Erfindungen der Menschheit, aber ich warne Alle - es kann verdammt süchtig machen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war Handy-süchtig. Ich habe es den ganzen Tag benutzt, egal ob im Proberaum, auf Tour oder beim Einkaufen. Ich habe es permanent zuhause benutzt und abends sogar mit ins Bett genommen. Darüber wäre beinahe meine Beziehung kaputt gegangen. Ich muss mich heute noch manchmal zwingen, das Handy zuhause in einem anderen Raum abzulegen und stundenlang nicht hinzugehen. Aber es geht und es wirkt sich positiv aus.

Vom kleinen Club zu Festivalauftritten vor Tausenden von Fans in wenigen Jahren - wie kommentiert Ihr selbst diese Entwicklung?

Strate: Wir sind immer noch tief beeindruckt von dem, was in den letzten Jahren passiert ist. Das ist unglaublich. Wir sind überwältigt, wie vielen Menschen unsere Musik gefällt, die zu den Konzerten kommen und mit uns für ein paar Stunden das Leben feiern. Einfach Danke! Wir sehen uns in Baunatal.

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