Renaturierung der Fuldaaue bei Guntershausen gab dem Fluss ein neues Gesicht

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Noch vor einem Jahr gruben hier schwere Bagger tiefe Rinnen und Mulden in den Boden. Heute haben sich entlang der Fulda bei Guntershausen schon abwechslungsreiche Gewässerbiotope entwickelt. 

Baunatal. Noch vor einem Jahr gruben bei Guntershausen schwere Bagger tiefe Rinnen und Mulden in den Boden. Heute haben sich entlang der Fulda schon abwechslungsreiche Gewässerbiotope entwickelt.

Werner Haaß' Beute kann sich sehen lassen. Eben hat der Biologe vom Büro für Ingenieurbiologie und Landschaftsplanung in Witzenhausen mit einem Käscher ein Gemisch aus Wasser, Wasserpflanzen und wild zappelndem Getier in eine weiße Wanne gekippt. Zwei junge Groppen, ein Weißfisch, Köcherfliegenlarven, Eintagsfliegenlarven, Schlammschnecken, Wasserwanzen, Wasserkäfer, ein kleiner Krebs und noch viele andere Kleinlebewesen wuseln durcheinander.

Gewusel in der Plastikwanne: Seit der Renaturierung der Fuldaaue bei Guntershausen hat sich die Artenvielfalt dort verzehnfacht. Links zeigt Werner Haaß, Biologe vom Büro für Ingenieurbiologie und Landschaftsplanung in Witzenhausen, was inzwischen alles in den neu entstandenen Tümpeln vorkommt. 

Ulrich Braukmanns Augen leuchten. „Noch vor einem Jahr hat es all das hier noch nicht gegeben“, sagt der Professor für Gewässerökologie an der Uni Kassel in Witzenhausen. Heute ist der „Tag der Nachhaltigkeit“ und gut ein Dutzend interessierter Leute ist auf Einladung der Stadt Baunatal zur Fuldaaue nahe Guntershausen gekommen, um zu schauen, was die große Renaturierungsmaßnahme vor einem Jahr gebracht hat.

28 Hektar Natur

Große Flutmulden, Tümpel und Teiche wurden damals mit Baggern auf dem rund 28 Hektar großen Areal zwischen dem Fuldaradweg R1 und dem Fuldaufer ausgehoben. Über 20.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt, zuvor nutzte den etwa 700 Meter langen und 30 bis 40 Meter breiten Wiesenstreifen ein Landwirt als Futterwiese.

Jetzt hat sich alles verändert. Der Uferbereich der Fulda ist an mehreren Stellen aufgebrochen, sodass nun je nach Pegelstand das Fuldawasser das Gelände fluten kann. So entstehen Seitenarme und Tümpel, je nach Gewässertyp haben sich unterschiedliche Tier- und Pflanzengemeinschaften entwickelt.

Blick von oben: Links unten ist Guntershausen zu sehen. Die Fläche, die renaturiert wurde (zwischen Radweg und Fulda), ist gelb markiert. Sie ist durchsetzt mit Flutrinnen und Mulden, die je nach Pegelstand nun auch Wasser führen. 

„Diese Renaturierung hat viel gebracht. Allein in diesem einen Jahr hat sich hier die Artenvielfalt verzehnfacht“, sagt Braukmann. Nichts sei gepflanzt, keine Tiere ausgesetzt worden. „Alles hat sich von alleine eingestellt“, sagt Braukmann. Sogar Eisvögel hätten sich bereits im Bereich der Baunamündung in die Fulda angesiedelt. Die Baunamündung war schon 2014 renaturiert worden.

Die Bedeutung solcher neu geschaffenen Biotope wie jetzt bei Guntershausen sei kaum zu ermessen, sagt Haaß. Inzwischen sei die Umwelt durch menschliche Nutzung derart arm an Arten und Individuen geworden, dass inzwischen jeder Rückzugsraum zähle. „Allein bei den Insekten ist innerhalb der vergangenen Jahrzehnte die Menge an Individuen und Arten um 80 Prozent zurückgegangen“, sagt Braukmann. Insgesamt kostete die Renaturierung 438 000 Euro, davon übernahm das Land 248 000 Euro.

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