Schließtage für Instandhaltung genutzt

Rohrsystem im Baunataler Werk repariert: Sieben Millionen Liter kühlen VW

Baunatal. Besonders bei klarem, kalten Winterwetter wird es sichtbar: Aus fünf Kühltürmen im VW-Werk Kassel in Baunatal steigen riesige Nebelschwaden auf. Sie sind Endpunkt eines schier unendlichen Rohrsystems, einer gigantischen Kühlanlage - mit rund sieben Millionen Litern Wasser im Bauch.

Die Schließtage im Werk nutzte die Instandhaltung jetzt für den Austausch von über 50 Jahre alten Rohren am größten Kühlturm südlich der Halle 1.

„Nahezu jede Maschine in der Fabrik wird mit Wasser gekühlt“, erläutert Dr. Holger Rose, Leiter der Prozess- und Versorgungstechnik.

Über 50 Jahre alt: Völlig verrostet lagen die Rohre, die das Wasser vom Turm zurück in die Fabrik führen, in der Erde.

Vom einfachen Schaltschrank über riesige Kompressoren zur Erzeugung von Druckluft bis zur Anlage zur Kühlung von Endogas in der Härterei - überall verlaufen Leitungen mit Kühlwasser. Wenn das System ausfalle, dann stünden die Maschinen im Werk still, erläutert Ralf Hansmeyer, Leiter der Mechanikwerkstätten. „Wenn das eine ausfällt, fällt das andere auch aus. Das wäre ein Domino-Effekt.“ Lediglich während solcher Schließtage - „wenn die Fabrik ruht“ - sei eine Reparatur der teilweise aus dem Jahr 1958 stammenden Leitungen möglich, ergänzt VW-Sprecher Heiko Hillwig. „Sonst wäre das eine Operation am offenen Herzen.“

Das System der Kühlanlage im VW-Werk ist relativ einfach: Das Wasser, das aufgeheizt von den Maschinen, über die riesigen Hallendächer zurück zu den Kühltürmen gepumpt wird, ist etwa 22 Grad warm. In den Kühltürmen wird es wie in einer Riesendusche abgeregnet und dann mit einem Luftstrom aus Ventilatoren wieder aufgewirbelt. Dabei entsteht Verdunstungskälte. Durch diesen Effekt wird das Wasser auf 17 Grad runtergekühlt, was für den nächsten Einsatz als Kühlmittel in den Maschinen ausreicht. 2700 Kubikmeter Wasser werden so pro Stunde umgewälzt.

Hier kommt das Wasser zum Beispiel an: Die großen Kompressoren, die die Druckluft für die Produktion erzeugen, müssen gekühlt werden. Holger Rose zeigt den Anschluss der Kühlleitung.

Und lässt sich die Wärme des Wassers beispielsweise für die Heizungsanlage im VW-Werk nutzen? „Nein“, sagt Holger Rose. „die Wärme ist nicht nutzbar“. Das Temperaturniveau sei zu gering. Nach dem heutigen Stand der Technik lasse sich daraus keine Energie rückgewinnen, ergänzt Kollege Wolfgang Hellmer. Übrigens der Austausch der teilweise schon durchgerosteten Rohre am Kühlturm 1 dauerte zwei Tage. Die beauftragte Baufirma Pfeiffer habe punktgenau gearbeitet, sagt Hansmeyer.

Und Holger Rose ergänzt: Wenn man das während der normalen Arbeitszeit erledigt hätte, hätte man zumindest in der Halle 1 sechs Schichten die Arbeit ruhen lassen müssen, weil alle Maschinen still gestanden hätten. „Dann hätten wir die Leute nach Hause schicken müssen.“

Rubriklistenbild: © Kühling

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