Bahnhof Altenbauna: Teure Beseitigung eines Nadelöhrs

Sanierungsbedürftig: Die Treppen der Unterführung unter dem Bahnhof Altenbauna bröckeln (Bild oben). Ein Aufgang ist bereits gesperrt worden. Wenig einladend ist auch der von Graffiti übersäte Tunnel, der selbst bei Tageslicht dunkel bleibt (Bild rechts). Der Aufgang zum Bahnsteig soll vom Umbau unberührt bleiben. Fotos: Dilling

Baunatal. Die Unterführung am Bahnhof Altenbauna ist ein Nadelöhr für Radfahrer, die zum VW-Werk müssen oder nach Kassel fahren wollen. Sie müssen absteigen und schieben. Für Rollstuhlfahrer ist die Unterführung wegen der steilen Treppen und Kinderwagen-Rampen schier unüberwindlich.

Doch wenn alles glattläuft, könnte die Unterführung 2018 barrierefrei umgebaut werden, womit auch eine ärgerliche Lücke im Radwegenetz zwischen Baunatal und Kassel geschlossen wäre. Das hofft zumindest Bürgermeister Manfred Schaub (SPD). In ihrer heutigen Sitzung sollen die Stadtverordneten grünes Licht für das Umbauprojekt geben, das vor zwei Jahren schon einmal an hohen Kosten scheiterte.

Billiger wird der Umbau der Unterführung auch jetzt nicht. Die Errichtung von serpentinenartigen Rampen und die Ertüchtigung des in die Jahre gekommenen Tunnels unter den Gleisen wird geschätzte 880 000 Euro kosten. Damit schlage die Verwaltung nicht einmal die teuerste Variante vor, sagte Schaub auf Anfrage. Die Luxusversion, die eine Begrünung des Bahnhofsvorplatzes einschließt, würde noch mal rund 400 000 Euro teurer kommen.

Man habe auch die Möglichkeit geprüft, den Übergang über die Gleise zu führen. Da mache aber das Eisenbahnbundesamt wegen des unregelmäßigen Güterverkehrs auf der Strecke nicht mit, sagte Schaub. Mit der Stadt Kassel und der KVG habe man auch den Bau eines Radwegs entlang der Straßenbahnlinie nach Baunatal geprüft. Dieser führe aber zu unlösbaren Konflikten mit dem Autoverkehr und zu Sicherheitsproblemen.

Die Stadt, die wegen der durch den VW-Abgasskandal zurückgehenden Gewerbesteuereinnahmen den Gürtel enger schnallen muss und schon andere Projekte zeitlich geschoben hat, will möglichst wenig von den hohen Umbaukosten schultern. Das Land habe mündlich signalisiert, sich wegen der überörtlichen Bedeutung der Radwegeverbindung mit der Hälfte an den Kosten beteiligen zu wollen, sagte der Bürgermeister. Er will einen weiteren Zuschusstopf anzapfen, sobald das geplante Förderprogramm des Landes für Rad-Schnellwege aufgelegt worden ist. Für die Beantragung der Zuschüsse will sich Schaub in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten grünes Licht holen.

Die Stadt Kassel, der Fahrradclub ADFC und der Zweckverband Raum Kassel stünden hinter dem Umbauprojekt, versichert der Bürgermeister. Momentan ist der Radverkehr in der Unterführung überschaubar. Das werde sich aber ändern, wenn sie erst mal barrierefrei sei, sagt Schaub.

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