Zweiter Mitarbeiter im Fokus der Ermittlungen

Roboter-Unfall im VW-Werk weiter ungeklärt: Gutachten soll Klarheit bringen

Baunatal. Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass ein 21-Jähriger Mitarbeiter einer Zulieferfirma im VW-Werk Kassel in Baunatal durch einen Roboter getötet wurde.

Beim Einrichten einer neuen Montageanlage in der Halle 6 wurde der junge Mann einer Firma aus Sachsen von der Maschine erfasst und gegen eine Metallwand gedrückt. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus. So berichtete es damals ein Sprecher des Werkes auf Nachfrage der HNA. Die Behörden untersuchen den Fall bis heute.

Seit genau einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel. Auf ein erstes Gutachten sei jetzt noch ein zweites in Auftrag gegeben worden, berichtet Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dabei gehe es um die Rolle eines zweiten Mitarbeiters der Firma, die an dem Roboter arbeitete. Weil dieser unter Verdacht geraten sei, durch ein mögliches Fehlverhalten an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein, werde dieser Aspekt noch einmal im Detail untersucht, so Wied. Das Ergebnis des Gutachtens sei noch offen.

Volkswagen hatte sich mit der Bekanntgabe des tödlichen Vorfalls Zeit gelassen. Passiert war dieser an einem Montag. Bis zum folgenden Mittwoch hatte VW noch nicht darüber berichtet. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung wurde der Roboter-Unfall überhaupt öffentlich.

Ging um die Welt

Die Nachricht, dass ein Roboter einen Arbeiter in der Autofabrik getötet hatte, verbreitete sich rasend schnell um die ganze Welt. In der Washington Post, dem Fernsehsender CNN und dem Daily Pakistan beispielsweise wurde das Unglück aufgegriffen. Die amerikanische Produktionsgesellschaft HBO plante kurze Zeit später eine Dokumentation über den Einsatz von Robotern in der Industrie zu drehen. Darin werde der Vorfall von Ende Juni 2015 im VW-Werk in Baunatal eine wichtige Rolle spielen, sagte New Yorker Filmemacher Maxim Pozdorovkin im November.

Passiert war der Unfall beim Aufbau der Roboter-Anlage in der modernsten Halle des zweitgrößten deutschen VW-Werkes mit 17 000 Mitarbeitern. Dort werden die Elektromotoren für den VW-Konzern und Direktschaltgetriebe für Audi gefertigt. Die Maschine war nach den Angaben des VW-Sprechers damals noch nicht fertig eingerichtet und noch im Besitz der Fremdfirma. Der 21-Jährige habe sich im Innenraum der Roboter-Anlage aufgehalten. Der zweite Mitarbeiter der Firma habe sich im Außenbereich befunden. Möglicherweise auf Zuruf habe dieser die Maschine angefahren, berichtete der Sprecher damals. Dabei sei der 21-Jährige von dem Roboter erfasst und gegen eine Metallwand gepresst worden. Dadurch sei der Brustkorb des jungen Mannes eingedrückt worden. Nach dem Versuch der Reanimation sei der Mann ins Klinikum Kassel gebracht worden, so der Sprecher.

Hintergrund: 800 Roboter in Baunatal im Einsatz

Die Sicherheitsvorschriften für den Umgang mit Robotern seien sehr streng, hatte ein VW-Sprecher damals betont. „Schließlich haben wir viele Roboter im Einsatz.“

In der Halle 6, in der der Unfall passierte, waren zu diesem Zeitpunkt 37 Automaten installiert. Insgesamt gab es am Standort Baunatal rund 800 Roboter in den verschiedenen Produktionsbereichen.

Grundsätzlich sind Unfälle mit Robotern selten. Der VW-Sprecher konnte sich nur an einen ähnlichen Fall erinnern, der etwa vor 20 Jahren in der Halle 4 passiert sei. Damals sei ebenfalls ein Mensch ums Leben gekommen.

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