Folgen der VW-Abgasaffäre erreichen Baunatal

VW-Werkleiter Falko Rudolph beurlaubt: Betriebsrat überrascht

Baunatal VW-Werk neue Azubis Auszubildende in der VW Akademie Werkleiter Falko Rudolph  aus Kassel Foto: Kühling
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Baunatal. Der Abgasskandal von Volkswagen zieht weitere Kreise: Am Mittwoch wurde aus dem VW-Umfeld bekannt, dass der Werkleiter des VW-Werkes Kassel in Baunatal, Falko Rudolph (50), beurlaubt wurde.

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Aus der Wolfsburger Konzernzentrale hieß es knapp: „Personalspekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht.“ Vergangene Woche war Rudolph von der Konzernrevision befragt worden. Diese untersucht die Abgas-Manipulationen.

Für Carsten Bätzold, Betriebsratschef des Werkes Kassel, kam die Entscheidung überraschend: „Für jeden gilt die Unschuldsvermutung solange, bis das Gegenteil bewiesen ist.“ Bätzold verwies auf die vertrauensvolle, gute Zusammenarbeit mit Werkleiter Rudolph und betonte, dass unter seiner Leitung der Standort weiter voran gebracht wurde.

Rudolph hatte im Mai 2014 die Leitung des Werkes übernommen. Der Diplom-Ingenieur gilt als Vater des Doppelkupplungsgetriebes, von November 2006 bis 2010 leitete er die Entwicklung der Dieselmotoren bei VW.

 

Das "Effizienzwunder"

2008 kündigte VW in den USA den Start des Diesel „Jetta 2.0 TDI, basierend auf dem EA 189“ an. Damals hieß es in der Pressemitteilung der US-Tochter, das Auto werde ein Effizienzwunder, von geringem Spritverbrauch und niedrigen Emissionen war die Rede. 2008 gibt es mehrere Fachartikel in der Motortechnischen Zeitschrift MTZ, in denen der Dieselmotor vorgestellt wird. Beschrieben werden die Optimierung des Einspritzsystems, die Realisierung eines Niederdruck-Abgasrückführungs-Systems, eine neuartigen Zylinderdruckregelung – und als technische Besonderheit – die Umsetzung eines NOx-Abgasnachbehandlungssystems. Die Autoren dieser Fachartikel sind unter anderem: der damalige Leiter der Aggregate-Entwicklung Jens Hadler sowie Falko Rudolph.

Hadler war Leiter der Aggregate-Entwicklung. Er verließ VW auf eigenen Wunsch im September 2011 und ging 2012 als Geschäftsführer zur APL Autmobil-Prüftechnik Landau. Auf Hadler folgte bei VW Heinz-Jakob Neußer.

Plauderte ein Techniker?

Neußer, Entwicklungschef für die Marke VW, wurde Ende September dieses Jahres beurlaubt. 2011 soll er über einen möglichen Rechtsverstoß in Kenntnis gesetzt worden sein. Das hat ein Beschäftigter bei einer Befragung durch die Konzernrevision ausgesagt. Der Techniker habe den Eindruck gehabt, dass er damals Neußer mit seiner Warnung nicht erreicht habe, Neußer habe den Hinweis wohl nicht verfolgt, mutmaßte der NDR.

Heute ist bekannt, dass der im Fachartikel gelobte Motor die strengen US-Abgasnormen nur mit der Schummel-Software einhalten konnte. Im Laufe seiner Einsatzzeit seit 2008 dürfte der Dieselmotor EA 189 mehrfach geprüft worden sein – etwa, ob er die Abgasnormen in verschiedenen Märkten erfüllt. Dass dieser Motor die Vorschriften ohne die teure Abgasreinigung erreicht, die sonst bei Dieselantrieben üblich ist, hätte „jeden Motorenentwickler misstrauisch machen müssen“, zitiert Spiegel-Online einen VW-Manager. Laut Spiegel sollen „Dutzende Manager“ beteiligt gewesen sein. Diese Zahl dementierte Volkswagen scharf.

Zur Person Falko Rudolph

Falko Rudolph (50) trat 1991 in den VW-Konzern ein. Der Diplom-Ingenieur war in unterschiedlichen Projekten in der Entwicklung von Handschalt- und Automatikgetrieben tätig. Ab 2000 war er verantwortlich für die Entwicklung des Doppelkupplungsgetriebes (DSG). 2004 wurde ihm die Verantwortung für die Getriebeentwicklung von Volkswagen übertragen. Seit November 2006 leitete er die Entwicklung der Dieselmotoren. Im September 2010 übernahm er die Leitung des Werks Salzgitter und des Geschäftsfelds Motor. Seit Mai 2014 leitet er das VW-Werk Kassel in Baunatal.

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