Werk in Baunatal

Boni an VW-Vorstand stoßen bei Betriebsrat und Belegschaft auf Kritik

Baunatal. Gespannt blickten die 17.000 Mitarbeiter aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal am Montag zum Stammsitz nach Wolfsburg: Dort beriet das Präsidium des Aufsichtsrates über millionenschwere Bonus-Zahlungen für die neun Vorstände des VW-Konzerns.

Laut einem Zeitungsbericht wollte Vorstandschef Matthias Müller die Konzernvorstände als Folge des Abgasskandals zu einem Verzicht von 30 Prozent ihrer erfolgsabhängigen Bezüge bewegen. Zuspruch für den Vorstoß Müllers gab es am Montag von Carsten Bätzold, Betriebsratschef bei VW in Baunatal.

Carsten Bätzold

„Man kann das nur unterstützen“, sagte Bätzold im Gespräch mit der HNA. Es passe einfach nicht in die Zeit, dass sich die Vorstandsmitglieder einen vollen Bonus auszahlen ließen. Man könne nicht von einer existenziellen Krise reden und dann nicht selbst bei sich ansetzen. Bätzold erinnerte daran, dass ja der ursprünglich für Mai anstehende Bonus für die Belegschaft aufgrund der Einbußen nach dem Abgasskandal wegfällt. Als Ausgleich sollen die Beschäftigten zumindest eine Anerkennungsprämie bekommen, die Höhe ist aber noch unklar.

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Dass sich Teile des Konzernvorstandes einen vollen Bonus gönnen wollten, „ist der Mannschaft gegenüber auch nicht vermittelbar“, sagte Bätzold mit Blick auf die Atmosphäre am Standort. Schließlich trage der Vorstand für die jetzige Lage die Verantwortung. Dass die Spitzenleute auch bei einem 30-Prozent-Verzicht weiterhin mit Sonderzahlungen in Millionenhöhe rechnen können, kommt bei den Mitarbeitern in Baunatal wohl nicht gut an. Viele Beschäftigte seien sauer, berichtet ein langjähriger VW-Mitarbeiter auf Anfrage. „Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.“ Von Aufbruchstimmung sei im Werk nichts zu spüren, berichtet der Mann weiter. Er halte es für möglich, dass ein frischer Wind erst dann aufkomme, wenn die Konzernspitze Ross und Reiter in der Abgaskrise benenne.

Heiko Hillwig

Zurückhaltender gibt sich Werksprecher Heiko Hillwig: „Das Kasseler Werkmanagement konzentriert sich auf seine herausfordernden Aufgaben am Standort“, sagt er. Im Vordergrund stünden die Weiterentwicklung innovativer Zukunftstechnologien, wie etwa im Bereich der alternativen Antriebe sowie die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. „Selbstverständlich verfolgen wir auch die aktuellen Entwicklungen genau.“

Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) bezieht klare Position. Die Folgen der kriminellen Machenschaften einiger weniger dürften nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden, so Schaub. Alle Etagen des VW-Werkes müssten sich an mit der Situation auseinandersetzen. Das gelte auch für Bonus-Zahlungen. Ob der von Matthias Müller angestrebte Verzicht von 30 Prozent beim Bonus für die Vorstände ausreiche, wollte Betriebsratschef Carten Bätzold nicht bewerten. Dazu müsse man erst das Konzernergebnis abwarten.

Aus Managerkreises ist zu hören, dass Strafen und Prozesse in den USA für Volkswagen Zahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe zur Folge haben könnten. Bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 28. April in Wolfsburg sollte klar sein, wie viel Geld der Konzern dafür vorsorglich zurücklegen will.

Rubriklistenbild: © dpa

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