Trotz Dialyse hat er einen ganz normalen Job im Baunataler Werk

VW-Mitarbeiter aus Niedenstein hofft auf eine neue Niere

+
Wartet sehnlichst auf eine Spenderniere: Frank Hochhuth, der im Baunataler VW-Werk in der Werktechnik arbeitet. Unter anderem repariert er Kleingeräte aus verschiedenen Abteilungen des Standortes, wie hier eine Bohrmaschine.

Baunatal. „Ich sehe alles noch recht positiv“, sagt Frank Hochhuth. Wer die Hintergründe zum Leben des VW-Mitarbeiters aus Niedenstein kennt, weiß um die Bedeutung dieses Satzes.

Frank Hochhuth hat keine Nieren mehr. Dreimal in der Woche muss der 49-jährige Beschäftigte aus der Werktechnik im VW-Werk Kassel in Baunatal jeweils fünf Stunden zur Dialyse. Frank Hochhuth wartet sehnlichst auf eine Spenderniere.

Im Alter von 45 Jahren stellten die Ärzte bei Hochhuth Veränderungen an den Nieren fest. „Das ist eine vererbte Krankheit von der Seite meiner Mutter her“, sagt der Niedensteiner. Nacheinander hätten sich seine beiden Nieren vergrößert, immer wieder sei es zu Nierenbluten gekommen. Die Krankheit drohte auch andere Organe zu schädigen. „Da haben wir uns entschlossen, die Nieren rauszunehmen.“

Hat einen Organspendeausweis in der Tasche: Meister Michael Kohler.

Wenig trinken ist seither bei Frank Hochhuth angesagt, denn das Wasser lagert sich in seinem Körper ab. Die Blase ist nämlich seit demEntfernen der Organe abgeklemmt. Trotz der enormen körperlichen Belastung hat Frank Hochhuth einen ganz normalen Job im VW-Werk. Der gelernte Energieanlagen-Elektroniker nimmt an der Störungsannahme der Mechanik-Zentralwerkstatt die Aufträge aus den Abteilungen etwa zu kaputten Fahrstühlen, Klimaanlagen und Lüftungen entgegen und leitet sie per Computer an die jeweiligen Mitarbeiter weiter. „Wir haben ihn zwar aus dem Tagesgeschäft rausgenommen“, sagt Meister Michael Kohler. Dennoch sei es kein ruhiger Platz. „Manchmal klingelt hier jede Minute das Telefon“, ergänzt Hochhuth.

Meister Michael Kohler hebt vor allem die Einsatzbereitschaft seines Mitarbeiters hervor. „Er ist einer, der kein Trübsal bläst“, sagt Kohler. „Es ist selten, dass der Frank mit schlechter Laune hierher kommt.“

Wichtig ist dem Chef vor allem die Hoffnung seines Mitarbeiters auf eine Spenderniere. Er selbst habe inzwischen einen Organspendeausweis im Portemonnaie, sagt er. „Die ganze Sache hat durch ihn ein Gesicht bekommen.“

Frank Hochhuth selbst schätzt, dass fast 20 Mitarbeiter von insgesamt 100 seiner Abteilung inzwischen einen solchen Ausweis dabei haben. Damit erklärt sich der Inhaber bereit, dass er beispielsweise nach einem tödlichen Unfall ein Organ zur Verfügung stellt.

Frank Hochhuth hofft darauf, dass es für ihn in den nächsten acht bis zehn Jahren eine passende Spenderniere gibt. Schon deshalb sei es wichtig, dass er an seinem Arbeitsplatz überall telefonisch zu erreichen sei. Denn: Letztendlich kann das jederzeit passieren. „Notfalls holen die mich auch mit dem Flugzeug aus dem Urlaub ab“, sagt er. Innerhalb von vier Stunden müsse er nämlich auf dem OP-Tisch liegen.

So lange das noch nicht passiert, bleibt es bei der Dialyse, bei der das Blut des Niedensteiners medizinisch in einer Praxis in Großenritte gereinigt wird. Mit einer Spenderniere, so sagt der 49-Jährige mit viel Hoffnung im Blick, „kann ich dann etwa 15 Jahre ohne Dialyse leben“.

Hintergrund: Organspendeausweis einfach selbst ausfüllen

Organe und Gewebe dürfen erst entnommen werden, nachdem der Tod des Organspenders festgestellt wurde. Das ist im Transplantationsgesetz (TPG) streng geregelt (§ 3 Abs. 1).

Ein Organspendeausweis kann einfach aus dem Internet runtergeladen und anschließend ausgefüllt werden

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schreibt dazu: Wer einen Organspendeausweis ausfüllt, kann das Einverständnis zur Organ- und Gewebespende entweder generell erteilen, auf bestimmte Organe oder Gewebe einschränken oder einer Organ- und Gewebespende widersprechen. Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.