Teil von Film für Sender HBO

VW-Werk Baunatal: Roboter sind Thema in US-Doku

Interview in der Lokalredaktion: Redakteur Sven Kühling ließ sich von Filmemacher Maxim Pozdorovkin (Dritter von links) über das Roboter-Unglück im VW-Werk befragen. Assistentin Britta Schoening (von links), Kameramann Joe Bender und „Tonfrau“ Jenny Linn hörten gespannt zu

Baunatal. Maxim Pozdorovkin ist ein preisgekrönter Filmemacher aus den USA. Zuletzt machte er mit Dokumentarfilmen über die russischen Protestfrauen von „Pussy Riot“ und über den russischen Waffenschieber Wiktor Bout international Furore.

Für sein neuestes Projekt ist der US-Amerikaner mit einem New Yorker Filmteam für den Sender HBO momentan auf Spurensuche nach den Hintergründen des tödlichen Unfalls im VW-Werk Kassel in Baunatal, bei dem im Juni ein Roboter einen Arbeiter zerquetschte.

Bei den Dreharbeiten war HNA-Redakteur Sven Kühling mittendrin und ein gesuchter Interviewpartner sowie Ratgeber der Amerikaner. Kein Wunder: Kühling hatte damals die Umstände des Roboterunfalls aufgedeckt und minutiös recherchiert. Die Nachricht aus der HNA verbreitete sich um die ganze Welt.

Er sei nicht wegen des Abgasskandals bei Volkswagen gekommen, sagte Pozdorovkin. Es gehe in seinem Film darum, wie der Siegeszug der Roboter in der Arbeitswelt das Leben von Menschen verändere. Dennoch fragte der Filmemacher den HNA-Redakteur nach den Auswirkungen des Skandals auf die Region. Es herrsche schon eine besorgte Stimmung wegen des möglichen Verlusts von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen, sagte Kühling.

Der HNA-Redakteur stellte sich im Pressehaus in einem improvisierten Studio in der Lokalredaktion den Fragen des Dokumentarfilmers. Warum wohl VW drei Tage die Nachricht über den tödlichen Unfall vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten habe, wollte der Amerikaner wissen. „Volkswagen möchte wie jeder andere große Konzern keine Negativschlagzeilen produzieren“, antwortete der Redakteur und meinte zu dem Unfall an sich: „Wenn ein Roboter einen Menschen tötet, trifft das eine Urangst.“

Die Frage des Filmemachers, ob deutsche Arbeiter wegen des Vordringens von Robotern in der Wirtschaft in Sorge um ihre Arbeitsplätze seien, beantwortete der Redakteur klar mit Ja. Das sei nicht nur in der Automobilindustrie so. Pozdorovkin veranlasste das zu der Bemerkung, dass auch die Jobs von Zeitungsredakteuren in Gefahr seien: Man habe bereits erfolgreich getestet, ob Roboter Sportberichte schreiben können. Ob und wann der Dokumentarfilm in Deutschland zu sehen sein wird, ist noch offen. Die Dreharbeiten würden bestimmt noch zwei Jahre dauern, sagt Produktionsassistentin Britta Schoening.

Pozdorovkin wird auch noch in Japan drehen. Dort sowie in den USA und Frankreich soll es in der Vergangenheit mehrere durch Roboter verursachte Todesfälle gegeben haben, heißt es in einem Bericht der „Zeit“. Rund 100 Unfälle mit Industrierobotern erfasst nach einem Bericht des „Tagesspiegels“ die gesetzliche Unfallversicherung jedes Jahr. 

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