Kunde legt immer mehr Wert auf Akustik

VW-Werk: Auf der Suche nach dem akustischen Fingerabdruck

Baunatal. Rattern Rauschen, Klappern, Klopfen, Surren, Summen - all diese Dinge mögen die Mitarbeiter des neuen Akustik-Prüffelds im VW-Werk Kassel in Baunatal ganz und gar nicht.

Mit hoch sensiblen Sensoren und Mikrofonen sind sie auf der Suche nach unangenehmen Geräuschen. Dass Ruhe herrscht im Auto - vor allem vor Geräuschen der in Baunatal entwickelten und gefertigten Getriebe - lässt sich das Unternehmen einiges kosten. 7,5 Millionen Euro hat Volkswagen in die hochmoderne Akustik-Halle in Baunatal investiert.

Geräusche durch Leichtbau

Der Kunde legt auf die Akustik immer mehr Wert. Vom Motor über das Getriebe bis zum Türschlagen muss alles gut klingen oder einfach gar nicht zu hören sein. Im Gegenzug mache der Leichtbau die Autos anfälliger für Geräusche, erläutert Frank Schulze, Leiter der Qualitätssicherung Fertigung. Mehr Masse schluckt eher den Schall. Der VW-Golf 7 beispielsweise wiegt gegenüber dem Vorgänger 80 Kilo weniger. Da müssen die Tester nun noch genauer hinhören. „Der Kunde soll sagen: Prima, es ist nichts da, was mich stört“, sagt Schulze.

Ungewöhnlicher Beifahrer: Eugen Baron hat einen Kunstkopf in dem Auto installiert. Dieser überträgt die Geräusche aus dem Innenraum an den benachbarten Messraum.

Die Arbeit der Truppe aus Baunatal kommt gut an beim VW-Vorstand. Seit kurzem sei die Abteilung auch für andere Marken im Konzern zuständig - beispielsweise für Audi und Porsche.

Das neue 80 Tonnen schwere Prüffeld ist technisch sehr aufwendig konstruiert. Es wurde von den Bauingenieuren als Gebäude im Gebäude gebaut. Lediglich auf Gummiblöcken und Federn gelagert schwebt der Koloss in der ihn umgebenden Halle. Damit, so erläutert Prüfer Dr. Rüdiger Polacek, können sich keine fremden Geräusche auf das Testfahrzeug übertragen. Löchrige, schallabsorbierende Wände lassen in dem Raum keine Nebengeräusche zu.

Bis zu 300 km/h

Zentraler Baustein des Prüfstandes sind zwei in das Prüffeld eingelassene Rollen mit einem Durchmesser von zwei Metern. Der Fahrer im Testfahrzeug kann auf diesen mit dem Auto stehend theoretisch auf Tempo 300 beschleunigen. Das Auto wird lediglich rechts vorne an einem einzigen Punkt gehalten. „Wir wollen den akustischen Fingerabdruck bekommen“, sagt Schulze.

„Das ist der dritte Gang“

Das, was Mikrofone und Sensoren aus dem Fahrzeug in den benachbarten Messraum übertragen, wird von den Spezialisten dann analysiert. Bis ins Detail können die Prüfer die Ursachen für nicht gewünschte Geräusche nachvollziehen und Änderungen mit der Produktion abstimmen. Schulze: „Wir können beispielsweise sehen: Das ist der dritte Gang.“

Am Ende der Entwicklung eines Getriebes steht die Abnahme durch die Konzernspitze. „Der Vorstand nimmt jedes Modell persönlich ab“, sagt Schule. Erst nach dem Okay von Vorstandschef Dr. Martin Winterkorn und Co. gehe ein Auto schließlich in Serie.

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