Kritik an Informationspolitik des Kirchenvorstands

Widerstand gegen Flüchtlingsheim in evangelischem Gemeindehaus in Baunatal

Volles Haus: Bei der Gemeindeversammlung im Bürgerhaus Altenritte hoffte der Kirchenvorstand von Großenritte-Altenritte, Zustimmung für seine Pläne zu erhalten, das Gemeindehaus an den Landkreis für die Aufnahme von Flüchtlingen zu vermieten. Doch die große Mehrheit der Teilnehmer sagte klipp und klar, dass man dies nicht wolle. Fotos: Dilling

Baunatal. Der Plan des Kirchenvorstands in Großenritte-Altenritte, im Gemeindehaus von Altenritte möglicherweise Flüchtlinge unterzubringen, stößt auf heftigen Widerstand.

Das zeichnete sich während der Gemeindeversammlung im überfüllten Saal des Gemeindehauses ab. Kritik wurde nicht nur an dem Vorhaben selbst, sondern auch an der Informationspolitik des Kirchenvorstands geäußert.

Diese hatte schon im Vorfeld für Unmut gesorgt. „Es sollte vorher mit den Gruppen diskutiert werden, die das Gemeindehaus nutzen. Da sind Kränkungen entstanden, die so nicht hätten entstehen müssen“, sagte Sieglinde Feldner.

In Teilen marode

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Mit dieser Ansicht stand Feldner, die als Sozialarbeiterin mit Flüchtlingen arbeitet, längst nicht allein da. Die Mehrheit derjenigen, die sich zu Wort meldeten, lehnte es sogar rundweg ab, das gesamte, in Teilen marode Gebäude (Hintergrund) dem Landkreis als Flüchtlingsunterkunft zu vermieten.

Das von der Stadt als Ausweichquartier angebotene Vereinshaus Altenritte könne die kirchlichen Gruppen gar nicht aufnehmen, weil es schon stark ausgelastet sei, sagten einige. „Ich fahre abends häufig dort vorbei. Da brennt immer Licht“, sagte ein Bürger, der seinen Namen nicht nennen wollte. Frauenkreis und Kirchenbezirkschor könnten ihre Termine nicht einfach verlegen und schon gar nicht in andere Orte umziehen, so klagten weitere Wortführer. Stimmen, die den Kirchenvorstand unterstützten, wie die von Ralf Burghardt, der an die Solidarität mit den Flüchtlingen appellierte („Wir schaffen das“ ), blieben in der Minderheit.

Keine Antworten 

Auf Nachfragen, wohin und wann die Gruppen in Ausweichquartiere wechseln können, blieb der Kirchenvorstand Antworten schuldig. Es würden noch Verhandlungen mit der Stadt geführt, sagte Pfarrerin Kupski. „Wir sind noch im Vorstadium“, erklärte Gunhild Groh vom Kirchenvorstand und berichtete, ihr Gremium habe dem Landkreis Anfang Februar das Gebäude „vorgestellt“.

Ihr Kollege Manfred Claus verwies auf die geringe Auslastung des Gemeindehauses. Der Landesbischof selbst habe im Herbst 2015 angeregt, Kirchengebäude für Flüchtlinge zu öffnen. Daher habe man im November den Entschluss gefasst, diese Möglichkeit zu prüfen. Das Gemeindehaus sei mit seiner Lage mitten im Dorf gut geeignet, erklärte Jörg Roßberg, Abteilungsleiter beim Landkreis.

Der Kirchenvorstand schlug vor, einen Raum im Erdgeschoss für Kirchenzwecke zu behalten. Mit so einem „Notquartier“ (so ein Redner) will sich aber offenbar kaum einer abfinden. Mehrfach kam demgegenüber der Vorschlag, die obere Etage mit Saal zu behalten. Ob sich das noch rechnet, ist offen. „Dann müssen wir ganz neu prüfen“, sagte Roßberg.

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