Zulieferfirma hält Teile für Getriebeproduktion zurück

Betriebsrat: VW-Werk in Baunatal prüft Kurzarbeit

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Getriebe auf dem Stapler: In einigen Bereich stockt die Produktion wegen des Zulieferstreits bereits. Das Archivbild zeigt Logistiker Reiner Nödler beim Transport fertiger Audi-Getriebe.

Baunatal. Zulieferfirmen aus Sachsen versorgen derzeit das VW-Werk in Emden nicht mit Autositzen und das Werk Kassel in Baunatal nicht mit Gussteilen für den Getriebebau.

Beides hat Auswirkungen auf die Beschäftigung am nordhessischen Standort. In einigen Bereichen des Getriebebaus muss die Produktion erheblich gedrosselt werden. Kurzarbeit wird geprüft.

Ulrike Jakob

„Es macht große Probleme“, beschreibt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob die Situation im zweitgrößten deutschen VW-Werk mit 17.000 Beschäftigten. Derzeit versuche man noch, die fehlende Arbeit über die Arbeitszeitkonten der Beschäftigten auszugleichen. Ob dieses Bordmittel ausreichen wird, da ist sich die Betriebsrätin nicht sicher. Es könne sein, dass Kurzarbeit beantragt werden muss. „Noch haben wir Kurzarbeit aber nicht beantragt“, betont Jakob ausdrücklich.

Auch Werksprecher Heiko Hillwig bestätigt die Probleme im Baunataler VW-Werk durch das Ausbleiben der Teilesendungen der Zulieferfirmen, die beide zur Prevent-Gruppe mit Sitz in Wolfsburg gehören. „Ja, wir haben diese Situation. Wir haben diese Engpässe“, sagt Hillwig. Etwa seit einer Woche gebe es die Auswirkungen auf die Produktion in Baunatal.

Hillwig bestätigt, dass die Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter aktuell zum Ausgleich herangezogen werden. „Da die weitere Entwicklung derzeit nicht absehbar ist, prüfen wir für Teilbereiche der Produktion am Standort Kassel Flexibilisierungen der Arbeitszeit.“ Mehr will der Werksprecher zu den Vorgängen mit Blick auf einen laufenden Rechtsstreit zwischen Volkswagen und der Prevent-Gruppe nicht sagen.

Nach Informationen der HNA sind im Baunataler Werk neben der Produktion des Direktschaltgetriebes DQ 250 auch andere Getriebefamilien betroffen, beispielsweise auch Handschaltgetriebe.

Kurzarbeit möglich: 17.000 Frauen und Männer sind im zweitgrößten VW-Werk beschäftigte: Für einen Teil könnte der Streit von dem Autohersteller mit Zulieferbetrieben jetzt Folgen haben. Es fehlen Teile für den Getriebebau. Betroffen ist vorrangig die Produktion des Getriebes DQ 250. Das Bild entstand bei der vergangenen Betriebsversammlung im Baunataler VW-Werk im Juni.

Hintergrund des Lieferstopps der Zulieferbetriebe ist ein inzwischen vor Gericht ausgetragener Preiskampf zwischen VW und Prevent. Die ES Automobilguss in Sachsen, die zu Prevent gehört, hat deshalb die Lieferung von Druckgussteilen ans Werk Kassel eingestellt. Betroffen sind vom Engpass alle VW-Modelle sowie Audi, Seat, Skoda und VW Nutzfahrzeuge. Trotz einer Einstweiligen Verfügung durch das Landgericht Braunschweig blieb ES Automobilguss bei seiner harten Linie und lieferte nicht aus.

Zudem hat die Prevent-Tochter Car Trim GmbH die Lieferung von Sitzbezügen nach Emden eingestellt. Dort baut Volkswagen das Modell Passat. Für das dortige Werk wurde bereits Kurzarbeit beantragt.

Auch daran werden die Auswirkungen für das Getriebewerk in Baunatal deutlich: Wo weniger Autos gebaut werden, werden auch weniger Getriebe benötigt.

Die Verantwortlichen im VW-Werk Kassel hoffen jedenfalls, dass sie nicht auf das Mittel Kurzarbeit zurückgreifen müssen. Betriebsrätin Ulrike Jakob sagt: „Schließlich liegen die Teile bei der Zulieferfirma auf dem Hof und müssen nur ausgeliefert werden.“

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