Bundesweit nur 718 genutzte Prämien

VW: Betriebsratschef Carsten Bätzold enttäuscht von Zahlen zur Kaufprämie für E-Autos

Hybridantrieb: Das aufgeschnittene Getriebe DQ 400e veranschaulicht die Verbindung von E-Maschine und Verbrennungsmotor. Foto: Kühling

Baunatal. Das Interesse an einer Kaufprämie für Elektroautos bleibt gedämpft. Lediglich 718 Menschen in Deutschland haben seit 2. Juli beim Staat einen Antrag auf einen Zuschuss für ein Elektro- oder Hybridauto gestellt. Das teilt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit.

Im VW-Werk Kassel in Baunatal gilt die Technik als Hoffnungsträger. Dort werden bisher sämtliche Elektromotoren für Modelle des Konzerns gebaut. Betriebsratschef Carsten Bätzold zeigt sich enttäuscht von den Zahlen des BAFA. Solange es nicht gelinge, eine notwendige Infrastruktur aufzubauen und die gesellschaftliche Akzeptanz für diese Antriebe zu erhöhen, „ist das ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt er im Gespräch mit der HNA. „Es reicht eben nicht, den Leuten 4000 Euro ins Handschuhfach zu legen.“

Politik und Wirtschaft müssten dafür sorgen, dass die Menschen positive Erfahrungen mit derartigen Fahrzeugen machen. Als ein positives Beispiel nennt Bätzold den Boom bei Elektro-Fahrrädern. „Das konnte sich vor fünf Jahren auch noch keiner vorstellen. Jetzt ist es ein boomender Markt.“

Werksprecher Heiko Hillwig bewertet die Situation nicht so negativ. „Die E-Mobilität ist ein wesentliches Zukunftsfeld der Marke Volkswagen“, sagt er. „In den kommenden Jahren werden wir zahlreiche neue E-Modelle auf den Markt bringen. Kurzfristig wünschen sich die Kunden Fortschritte bei Batterie- und Ladetechnologien für mehr Reichweite“, so Hillwig. „Diesem Wunsch kommen wir noch in diesem Jahr nach, denn der neue e-Golf mit bis zu 300 Kilometern Reichweite wird Ende des Jahres vorgestellt.“

Die gesamte Produktion am Standort Kassel läuft laut Hillwig weiterhin planmäßig. Die Fertigungskapazitäten liegen bei 120 Einheiten am Tag bei den reinen E-Maschinen und bei 300 Einheiten bei den Hybriden. „Entsprechende Nachfrageverschiebungen hin zu e-Fahrzeugen können wir bedienen.“

Und so sieht die Förderung aus: Für reine Elektroautos gibt es vom Bund bis zu 4000 Euro, Hybridfahrzeuge werden mit bis zu 3000 Euro bezuschusst. Auf die Marken VW und Audi entfallen von den 718 Anträgen 73. Damit belegt VW Platz drei, davor rangieren die Hersteller BMW und Renault. Den Hybrid Golf GTE wollen beispielsweise 24 Käufer haben, den reinen e-Golf 15. Spitzenreiter in der Rangliste der Anträge für die Kaufprämie ist der BMW i3. Diesen wollen immerhin 127 Interessenten bestellen. Für eine Prämie für einen Renault ZOE bewerben sich immerhin 115 Menschen in Deutschland. Wie gering das Interesse an der Kaufprämie ist, zeigt auch ein Vergleich zu den Antragszahlen für die „Abwrackprämie“ im Jahr 2009. Beim Bund wurden in den ersten Tagen der Online-Beantragung 150 000 Anträge registriert.

Hintergrund: E-Golf kostet 34.900 Euro

Für reine Elektrofahrzeuge mit Batterie gibt es 4000 Euro Umweltbonus - davon je 2000 Euro vom Bund und 2000 Euro vom Hersteller. Bei Hybridautos, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben, sind es 3000 Euro (1500 Euro Staat/1500 Euro Hersteller). Die Förderung gilt rückwirkend für E-Autos, die seit dem 18. Mai gekauft wurden.

Beispiele für geförderte Modelle:

• BMW i3: 34 950 Euro, Kleinwagen, E-Motor, 170 PS, 190 km Reichweite.

• Volkswagen E-Golf: 34 900 Euro, Kompaktwagen, E-Motor, 115 PS, 190 km Reichweite.

• Volkswagen Passat GTE: 44 250 Euro, Mittelklasse-Limousine, Plug-in-Hybrid, 218 PS, 50 km elektrische Reichweite.

Informationen: 

www.bafa.de

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