Schnelles Internet in Nordhessen mit Netcom-Monopol?

Schnelles Internet: 2500 Kilometer Glasfaserkabel will die Breitband Nordhessen im Zuge des geplanten Breitbandausbaus ab 2016 verlegen. Unser Symbolbild zeigt einen Verteilerpunkt, in dem zahlreiche Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammenlaufen. Foto: Reinhardt/dpa

Kreis Kassel. Wenn die Breitband Nordhessen im Sommer 2016 mit dem Ausbau der Breitbandversorgung in Nordhessen beginnt, werden Menschen, die in Gebieten mit langsamem Internet wohnen, in die Hände klatschen.

Geplant ist der öffentlich geförderte Netzausbau in den kommenden Jahren mit einem Mindeststandard von zunächst 30 MBit pro Sekunde - „und das flächendeckend“, sagt Kathrin Laurier, Geschäftsführerin von Breitband Nordhessen. 

Noch läuft die Ausschreibung für das Vorhaben, und noch ist nicht klar, welche der Kommunen in Nordhessen als Erste mit dem schnellen Glasfaser-Internet versorgt werden. Sicher ist nur, dass dann die Kasseler Netcom als bislang alleiniger Netzbetreiber in Erscheinung treten wird. Sie wird das Netz der Breitband Nordhessen komplett mieten und alleinig die Preise für Internet-Dienstleistungen gestalten.

Schon jetzt fühlen sich Internetnutzer aus der Region -zum Beispiel Telekom-Kunden, die bereits via LTE-Funk im Internet surfen - genötigt, den Anbieter wechseln zu müssen, um später in den Genuss der schnellen Datenübertragung zu kommen. Auch befürchten sie überhöhte Preise, wenn Mitbewerber fehlen und so keine Marktregulation in Gang kommt.

Platz für Mitbewerber? 

Für die Breitband Nordhessen ist das kein Thema. „Wir als Netz-Eigentümer müssen für jeden Anbieter offen sein“, sagt Kathrin Laurier. „Dazu sind wir verpflichtet.“ Mit anderen Worten: Jeder Netzbetreiber hat die Möglichkeit, einen Vertrag mit der Netcom abzuschließen, der es ermöglicht, das Netz zu nutzen und seine Dienste für die Bürger und Gewerbetreibenden in Nordhessen anzubieten. „Bislang hat sich aber noch kein weiterer Anbieter beworben“, sagt Laurier, „auch nicht die Telekom.“

Das bestätigt auch Netcom-Geschäftsführer Frank Richter. Und er geht davon aus, dass es auch nicht gerade die Telekom sein wird, die künftig das Netz der Breitband Nordhessen mit nutzen will. Für den Großkonzern sei das Netz nicht attraktiv genug.

„Eher werden bei uns Vodafone und 1&1 anklopfen“, sagt Richter. Im Raum Kassel arbeite die Netcom mit den beiden Anbietern schon lange zusammen. „Und es gibt Rahmenverträge, die ein späteres Aufspringen von Vodafone und 1&1 auf das Nordhessische Glasfasernetz ohne große Hürden ermöglichen.“

Droht Netcom-Preiswillkür? 

Richter setzt darauf, dass es später Konkurrenz gibt. „Es macht keinen Sinn, teuer eine Netz-Infrastruktur aufzubauen, die dann nur unvollständig ausgelastet ist, weil Mitanbieter fehlen“, sagt Richter.

Auch werde es keine überhöhten Preise geben, die sich nicht am Markt orientierten. „In Kassel stehen wir schon jetzt im Wettbewerb mit Vodafone, Unitymedia und 1&1. Würden wir die Preise in ländlichen Regionen auf einmal deutlich höher ansetzen, bekämen wir ein riesiges Akzeptanzproblem“, sagt Richter. Und das koste wieder Kunden. „Wir brauchen aber Gewinne, um die Refinanzierung des Landesdarlehens hinzubekommen.“ Insofern werde die Netcom „im Preisduell mit den Mitanbietern immer auf Augenhöhe“ bleiben. Nur in Sachen LTE-Funk-Internet will die Netcom eine echte Preis- und Leistungkonkurrenz sein.

Telekom will nicht einsteigen

Die Telekom zeigt kein Interesse daran, ihre Dienste künftig auch über das Netz der Breitband Nordhessen anzubieten. Zwar arbeitet der Großkonzern daran, künftig auch die Infrastruktur von Mitbewerbern nutzen zu können - darunter auch öffentlich geförderte Netze. „Jedoch ist das mit erheblichem Aufwand verbunden“, sagt Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney. Dazu müssten zunächst neue Geschäftsprozesse sowie eine Reihe regulatorischer, technischer und vertrieblicher Fragen geklärt werden. „Das alles ist hochkompliziert“, insofern sehe die Telekom zunächst davon ab, das Netz der Breitband Nordhessen in Anspruch zu nehmen.

Bislang hat die Telekom ihre Infrastruktur stets selbst geplant, finanziert und aufgebaut - und sie dann anderen Mitbewerbern zur Verfügung gestellt. Als Mitnutzer eines öffentlich geförderten Netzes tritt die Telekom bislang nur in Köln in Erscheinung. Seit 2013 nutzt dort das Tochter-Unternehmen Congstar das Breitbandnetz des Stadtnetzbetreibers Netcolone, um auf diese Weise Kunden in Köln, Bonn und Aachen zu erreichen.

Schnelle Internetverbindungen für 380.000 Haushalte 

Ziel der im Februar 2014 gegründeten Breitband Nordhessen GmbH mit Sitz in Kassel (Ständeplatz) ist es, in den nächsten Jahren die fünf Landkreise Nordhessens (Kassel, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg, Hersfeld-Rotenburg) flächendeckend mit mindestens 30 MBit pro Sekunde zu versorgen. Profitieren sollen davon etwa 52 000 Gewerbebetriebe und 380 000 Haushalte.

Den Bau des Breitbandnetzes will die Breitband Nordhessen voraussichtlich im Frühjahr 2016 vergeben. Geplant ist die Erschließung von etwa 1700 bereits vorhandenen Kabelverzweigern (das sind die Verteilerkästen für die einzelnen Teilnehmer-Anschlussleitungen) mit Glasfasertechnik sowie das Verlegen von insgesamt 2500 Kilometern Glasfaserkabel.

Die Eigentümer des fertigen Breitbandnetzes werden dann die fünf Landkreise als Gesellschafter der Breitband Nordhessen sein. Sie vermieten das Netz an den Netzbetreiber Netcom Kassel Gesellschaft für Telekommunikation mbH mit Sitz in Kassel (Königstor), um mit den Erlösen die Investitionen zu amortisieren. Die Investitionssumme (rund 143 Mio. Euro) wird als ein vom Land verbürgtes Darlehen bereitgestellt.

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