Bürgermeister im Kreis bewerten Vorstoß zu ehrenamtlicher Arbeit kritisch

Carsten Strzoda

Nieste/Espenau/Söhrewald. Der umstrittenen Gesetzesentwurf der schwarz-grünen Landesregierung, das Bürgermeisteramt ehrenamtlich zu besetzen, stößt auf Kritik und Bedenken unter den Rathauschefs der kleinen Kommunen im Landkreis.

Michael Steisel, SÖHREWALD

Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel (SPD) bewertet den Gesetzesentwurf als falschen Ansatz und Geringschätzung der Arbeit der Bürgermeister in kleinen Kommunen. „Die Aufgaben auf unterster Ebene werden immer umfassender“, sagte der Verwaltungschef und Sprecher der Kreisbürgermeister auf HNA-Anfrage.

Mit Hinblick auf die Flüchtlingssituation sei eine solche Überlegung mehr als fraglich. Die Gemeinde habe bislang zwar nur acht Flüchtlinge vom Landkreis Kassel zugewiesen bekommen, aber langfristig müsse auch Söhrewald sich Gedanken machen, zusätzlichen Wohnraum schaffen und möglicherweise neue Baugebiete ausweisen. Die Planung der Landesregierung bezeichnete er als politisches Kalkül, um kleine Kommunen aufzulösen und verschmelzen zu lassen. Steisel wolle die Überlegung nicht grundsätzlich verteufeln, gab aber zu bedenken, dass dadurch der Politikverdrossenheit Vorschub geleistet werden könnte und sagte: „Das ist ein Angriff auf die Demokratie“.

Edgar Paul, NIESTE

Niestes Bürgermeister Edgar Paul (SPD) bezeichnet den Gesetzesentwurf als „Frechheit und Lügenpolitik des Landes Hessen“, um eine verdeckte Gebietsreform zu forcieren. Paul sei von der Landesregierung aber nichts anderes gewohnt. Er kritisierte auch das mangelnde Vermögen, die Arbeit der Rathauschefs ausreichend zu würdigen: „Die sollen mal unserer Job machen, wir arbeiten teilweise rund um die Uhr. Glücklicherweise besitze die Gemeinde durch ihre geografische Lage ein Alleinstellungsmerkmal, das eine Gebietsreform unmöglich mache.

Carsten Strzoda, ESPENAU

Auch Espenaus Verwaltungschef Carsten Strzoda (parteilos) bewertet die Überlegung kritisch: „Ich halte das für realitätsfremd. Alleine die Überlegung der Landesregierung über eine Veränderung an dieser Stelle nachzudenken bringt zum Ausdruck, wie man in Wiesbaden die Arbeit der Bürgermeister beurteilt.“

Gerade in kleinen Verwaltungen komme dem Bürgermeister eine besondere Rolle zu. Insbesondere bei denen, die von einer solchen Regelung betroffen wären, sei der Bürgermeister nicht nur Leiter der Verwaltung Kraft der gesetzlichen Vorgabe, sondern arbeite in dieser Position auch mit, führe das Personal, plane, konzeptioniere, sorge für die Umsetzung der politischen Beschlüsse sei faktisch immer im Dienst, weil er von den Bürgern naturgemäß immer als Bürgermeister wahrgenommen werde.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.