Nun doch Rewe statt Lidl?

Bernd Hirdes

Lohfeldener Parlament kippt mit SPD- und U2L-Stimmen alten Bebauungsplan

Lohfelden. Die Ansiedlung von Lidl in Lohfelden gerät in Gefahr: Am Donnerstag beschloss die Gemeindevertretung mit den Stimmen der SPD und der Unabhängigen Liste (U2L), den auf die Pläne des Lebensmitteldiscounters zugeschnittenen Bebauungsplan in einen allgemeinen Bebauungsplan umzuwandeln.

Damit muss der vorhabenbezogene Bebauungsplan am früheren Rewe-Standort in der Langen Straße einer eher unverbindlichen Planung weichen. Der neue Beschluss sieht außerdem ausdrücklich die Zulässigkeit einer Arztpraxis vor.

Im Oktober noch hatte das Parlament einstimmig für die Lidl-Planung votiert und auch die Planungs- und Erschließungskosten auf den Konzern abgewälzt. Mit der Änderung geht die Kostenlast auf die Gemeinde über.

„Wir waren uns der Tragweite nicht bewusst.“

Hintergrund für die neue Entwicklung ist das Auftreten des in Lohfelden ansässigen Projektentwicklers Werner Clemens, der vor Weihnachten ein von Rewe unterstütztes Lebensmittelmarkt-Konzept vorstellte. Die Lidl-Pläne seien zu massiv, ökologisch bedenklich und berücksichtigten auch die Arztpraxis nicht, sagte Clemens in einem Gespräch mit der HNA.

Die SPD schloss sich jetzt dieser Linie an: „Wir waren uns der Tragweite nicht bewusst“, sagte Bernd Hirdes. Außerdem liege seit Montag eine ablehnende Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde vor, so Hirdes. Der SPD-Sprecher setzte sich vehement für den Erhalt der Allgemeinarztpraxis an diesem Standort ein, es gehe um das Wohl der Bürger.

Rewe habe in der Gemeinde gleich zwei Standorte „vermasselt“, so Birgit Kaiser-Wirz. Sie warnte vor einer Kehrtwende, die berge die Gefahr von Schadensersatzforderungen in sich, so die CDU-Politikerin.

Bürgermeister Michael Reuter sieht dieses Risiko nicht. Jeder Investor müsse im Verfahren mit ablehnenden Stellungnahmen rechnen, so der Verwaltungschef.

Auch die Grünen sehen Regressforderungen auf die Gemeinde zukommen: Hier werde reine Lobby-Politik betrieben. Es bleibe außerdem ein „Geschmäckle“ zurück, kritisierte Miriam Würth-Kreselvjak. Nach Auffassung der Grünen-Politikerin gebe es genug Standorte für Arztpraxen in Lohfelden. Die Gemeinde habe noch keine Verträge geschlossen. Deshalb scheiden Regressansprüche aus, sagte Dr. Eicke Bormann (SPD).

Die Änderung und Ergänzung des Bebauungsplans wurden schließlich mit den Stimmen von SPD und U2L angenommen. Fotos: nh

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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