Interview mit EAM-Geschäftsführer Thomas Weber 

Einstieg von EAM bei der Netcom: „Risiko vergleichsweise gering“

+
Regionaler Akteur im Bereich Telekommunikation: Die Netcom Kassel - hier die Werbung an der Fassade der Zentrale im Kasseler Königstor - gehört seit 1. April 2016 zur Hälfte der EAM.

Kassel. Der Regionalversorger EAM ist jetzt in einem neuen Geschäftsfeld unterwegs: Zum 1. April dieses Jahres hat das kommunale Unternehmen 50 Prozent des Telekommunikationsunternehmens Netcom Kassel übernommen.

Die andere Hälfte gehört weiterhin zum städtischen Konzern Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV). Über den Einstieg sprachen wir mit EAM-Geschäftsführer Thomas Weber. 

Herr Weber, welches Interesse verfolgen Sie mit dem Einstieg bei der Netcom?

Thomas Weber: In ländlichen Gebieten ist die Internetversorgung mit hoher Bandbreite oft unzureichend. Unser Ziel ist es, mit der Netcom zukünftig möglichst viele Menschen in der Region mit schnellem Internet zu versorgen. Um dies zu ermöglichen, fehlt derzeit allerdings noch die notwendige Infrastruktur. Aus diesem Grund haben die fünf nordhessischen Landkreise die Breitband Nordhessen GmbH gegründet. Sie koordiniert und finanziert den Bau eines Glasfasernetzes in diesen Landkreisen. Die Netcom wird anschließend Komponenten für den Betrieb des Breitbandnetzes installieren und Telekommunikationsdienste anbieten, um das für den ländlichen Raum wichtige Projekt der Breitband Nordhessen voranzutreiben.

Das ist der Einstieg in ein neues Geschäftsfeld.

Weber: Als Infrastruktur-Dienstleister für die Region erschließen wir mit dem Einstieg in die Telekommunikation in der Tat ein neues Geschäftsfeld, das gut zu unseren Vorbereitungen auf die absehbaren Veränderungen durch die Digitalisierung der Energiewirtschaft passt. Perspektivisch könnten durch die Kooperation gemeinsame Vertriebskanäle genutzt und den Kunden neue, attraktive Produkte angeboten werden.

Der Ausbau des schnellen Internets soll in diesem Jahr beginnen. Geht dies nur mit dem Geld der EAM?

Weber: Nein. Der geplante Bau des Breitbandnetzes wird durch die Breitband Nordhessen GmbH beauftragt und finanziert. Die EAM wird aus ihrer Rolle als Mitgesellschafter der Netcom die notwendige Technologie mit installieren und finanzieren, um das zu errichtende Glasfaserkabelnetz anschließend betreiben und Telekommunikationsdienste anzubieten zu können. Gemessen an den Gesamtkosten für den Ausbau des Glasfasernetzes wird der Anteil der Netcom nur einen vergleichsweise geringen Anteil ausmachen.

Das schnelle Internet ist ein Mammutprojekt mit ehrgeizigem Zeitplan, die Erwartungen der Menschen sind hoch. Wie riskant ist der Ausbau für die EAM, wenn es nicht so laufen sollte wie gedacht?

Weber: Der Zeitplan wird im Wesentlichen durch den Bau des Glasfasernetzes beeinflusst, für den die Breitband Nordhessen GmbH verantwortlich ist. Die Installation der Netzkomponenten durch die Netcom für den anschließenden Betrieb ist im Vergleich zu den erforderlichen Tiefbauarbeiten für das Glasfasernetz zeitlich unkritisch und stellt somit kein Risiko für die EAM dar. Allerdings ist eine zeitnahe Umsetzung des Projekts anzustreben, um die Hoffnungen vieler Menschen in Nordhessen erfüllen und sie möglichst zügig mit schnellem Internet versorgen zu können.

Wie viel hat die EAM für die Anteile bezahlt?

Weber: Wir bitten um Verständnis, dass wie hierzu keine Angaben machen möchten.

Die Netcom war bislang eine 100-prozentige Tochter der Holding Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH. Zur KVV gehören auch die Städtischen Werke, mit denen die EAM inzwischen beim Vertrieb von Strom und Gas zusammenarbeitet. Werden sich KVV und EAM künftig noch weiter annähern?

Weber: Mit unserer 50-prozentigen Beteiligung an der Netcom haben die Städtischen Werke ihren Anteil an der gemeinsamen Vertriebstochter EAM Energie GmbH von 49,99 auf 50 Prozent erhöht. Im Vertriebsgeschäft arbeiten wir außerhalb Kassels bereits eng zusammen, jetzt auch im Telekommunikationsgeschäft. Darüber hinaus sind derzeit keine weiteren fachlichen Kooperationen vorgesehen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.