Probleme bei Abrechnungen

Lieferanten von Solarstrom warten seit Monaten auf Geld von der EAM

Kaufungen/Kassel. Weil die EAM große Probleme mit einem neuen Abrechnungssystem hat, warten zahlreiche Betreiber von Solaranlagen seit Monaten auf das Geld für den von ihnen gelieferten Strom.

Georg Stiens ist richtig sauer. Der Kaufunger Solarunternehmer, der seinen Betrieb zuletzt heruntergefahren hatte, betreibt zusammen mit fünf Geschäftspartnern auf dem Dach des renovierten Bürgerhaussaals in Oberkaufungen eine Fotovoltaikanlage. Die Dachfläche haben die Unternehmer von der Gemeinde Kaufungen gemietet. Der dort erzeugte Sonnenstrom wird in das Netz der EAM eingespeist.

Wartet auf sein Geld: Georg Stiens aus Kaufungen, der zusammen mit Anderen eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Bürgerhaussaals betreibt.

Doch eine Vergütung dafür haben Stiens und seine Partner bereits seit Längerem nicht mehr gesehen. Seit Januar 2016 habe die EAM keine Abschlagszahlungen mehr überwiesen, lautet sein Vorwurf. Die Folge: Das Konto der Anlagenbetreiber steht inzwischen im Soll. Doch damit nicht genug: Nach Angaben von Stiens fordert der Kasseler Energieversorger 5000 Euro von den Anlagenbetreibern zurück, „und das, obwohl wir von der EAM noch Geld zu bekommen haben.“

Versuche, mit Vertretern des Versorgungsunternehmens in Kontakt zu kommen, schlugen zunächst fehl. Stiens: „Ruft man bei der EAM an, landet man in einem Callcenter in Leipzig, und die haben null Plan.“ Er und die weiteren Betreiber der Fotovoltaikanlage auf dem Bürgerhausdach seien inzwischen „völlig hilflos“. Man wisse nicht, wie man der Kasseler Sparkasse das Soll auf dem Konto erklären soll. Nach den Erkenntnissen von Stiens sind nicht nur die Kaufunger Anlagenbetreiber betroffen. „Das Problem haben viele Kunden in Nordhessen“, weiß der Solarunternehmer.

Die EAM sei mit der Abrechnung der Vergütungen für den Solarstrom „so extrem überfordert, dass viele Kunden seit Monaten keine Abschläge und/oder für 2015 falsche Abrechnungen erhalten haben“, berichtet er. Die falschen Abrechnungen führten zu Rückzahlungsforderungen seitens der EAM, die tatsächlich nicht gerechtfertigt seien.

Privat hat Unternehmer Stiens bereits Konsequenzen gezogen. Nachdem er seinen Strom zunächst von der Ende 2013 gegründeten EAM bezogen habe, sei er inzwischen zu einem anderen Anbieter gewechselt.

Das sagt die EAM

Die EAM („Energie aus der Mitte“) räumte auf HNA-Anfrage ein, dass es Probleme mit dem Abrechnungssystem gibt. „Wir bitten um Verständnis, dass es bei der Überführung des hoch komplexen Systems teilweise zu Verzögerungen kommen kann“, sagte Unternehmenssprecher René Schneider. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle noch offenen Fälle kurzfristig zu bearbeiten.“ Betroffen sind laut EAM Anlagen (Fotovoltaik und Biomasse), die nach dem Gesetz über die Erneuerbaren Energien (EEG-Gesetz) abgerechnet werden. Unter den eine Million Anlagen im EAM-Netzgebiet gebe es bei der Abrechnung für 700 Anlagen noch Klärungsbedarf, hieß es. Ziel sei es, die noch offenen Fälle bis Ende Mai abzuarbeiten. Laut Firmensprecher Schneider stehen die Probleme im Zusammenhang mit der Neuaufstellung der EAM. Schrittweise wurden die letzten EAM-Arbeitsbereiche von Eon entkoppelt, zuletzt das Abrechnungssystem.

Wie berichtet, waren die restlichen Anteile des Regionalversorgers Eon Mitte Ende 2013 von zwölf Landkreisen und der Stadt Göttingen übernommen worden. 

Hintergrund

Bei der Inbetriebnahme einer Fotovolatikanlage sowie anderer Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz abgerechnet werden (beispielsweise Biogasanlagen), wird ein Zähler eingebaut. Dieser wird nach Auskunft der EAM bei Standardanlagen zum Ende eines jeden Jahres abgerechnet. Auf die zu erwartende Strommenge, die ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird, zahlt der Kasseler Energieversorger monatliche Abschläge. Am Jahresende wird eine Abrechnung über die tatsächlich erzeugte Menge an Strom erstellt. Große Anlagen werden mit einer sogenannten Zählerdatenfernauslesung monatlich ausgewertet. Bei den großen Anlagen wird dann auch monatlich abgerechnet. 

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Rubriklistenbild: © Archivfoto:  dpa

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