Die EEG-Reform macht Energiegenossenschaften große Sorge

Regionale Kleinanbieter wie die Städtischen Werke bauen ihr Geschäftsmodell auf Energiegenossenschaften auf. Mit der EEG-Novelle wird es für solche Kleinanbieter schwieriger werden, den Zuschlag für den Bau von Windparks zu bekommen. Darunter leiden letztlich auch die noch viel kleineren Energiegenossenschaften. Unser Bild zeigt den Windpark Söhrewald der Städtischen Werke. Foto: Schmidt/nh

Kreis Kassel. Warum die EEG-Reform für Energiegenossenschaften ein hartes Brot ist, erklären Mitglieder der EnergieGenossenschaft Kaufunger Wald.

Die Energiewende schlägt eine neue Richtung ein. Auf Bundesebene soll es nun statt fester Vergütungen einen Anbieterwettbewerb geben: Derjenige, der für die niedrigste Förderung einen Wind- oder Solarpark baut, bekommt den Zuschlag (EEG-Novelle). Auf Landesebene macht schon jetzt jener Investor das Rennen, der bei der Vergabe von Windkraftflächen das höchste Pachtangebot macht. Für Energiegenossenschaften ist das ein hartes Brot - Mitglieder der EnergieGenossenschaft Kaufunger Wald sagen warum.

Was für Folgen hat die EEG-Novelle für kleine Anbieter wie Energiegenossenschaften?

„Mit dieser Politik wird es Kleinanbietern praktisch unmöglich gemacht, an der Energiewende weiterhin teilzuhaben“, sagt Hans-Joachim Binzel, Aufsichtsratsvorsitzender der Energie-Genossenschaft Kaufunger Wald (EGK). Statt kleiner regionaler Investoren wie die Städtischen Werke Kassel, die bei der Finanzierung auf Betreibergesellschaften und somit auf Kommunen und Genossenschaften setzten, würden künftig nur noch finanzstarke Energieunternehmen den Zuschlag erhalten.

„Die haben mehr Geld, und kommen deshalb mit weniger Förderung zurecht“, sagt Binzel. Allein die Risiken und Kosten durch die Teilnahme am Bieterverfahren könnten regionale Akteure künftig kaum noch tragen.

Sind damit die Energiegenossenschaften in ihrer Existenz bedroht?

Zunächst nicht, weil das, was jetzt vertraglich Bestand hat, auch weiterhin gilt. „So werden wir unsere geplante Teilhabe von etwa einem Prozent am Windpark Stiftswald (500 000 Euro) noch umsetzen können“, sagt EGK-Vorstandsmitglied Bernd Winter. Doch mit Blick auf den Reinhardswald, wo voraussichtlich Ausschreibungen möglich sein werden, „ist für die Energiegenossenschaften dann Schluss“.

Was bedeutet das für die Region?

„Die neuen Regelungen sind demotivierend, weil sie viel zu wenig die positiven Effekte von Windkraft für die Leute vor Ort berücksichtigen“, sagt EGK-Vorstandsmitglied Reymond Deuchert. Beispiel regionale Wertschöpfung. „Allein ein Windpark der Größe Söhrewald-Niestetal bringt der Region in 20 Jahren 58 Mio. Euro, wenn er von regionalen Akteuren realisiert und betrieben wird. Kommt aber ein Großinvestor zum Zuge, schrumpft die regionale Wertschöpfung auf nur noch sieben Mio. Euro zusammen. Der Rest fließt ab“, sagt Deuchert und zitiert damit aus der neuen Studie des Kasseler Instituts für dezentrale Energietechnologien (IdE).

Worum geht es dann Bund und Land?

Dem Land Hessen geht es bei den hohen Pachteinnahmen um schnelles Geld für die Landeskasse, dem Bund geht es darum, Fördergelder in Milliardenhöhe einzusparen und um die Stromkosten niedrig zu halten. „Ganz nebenbei wird damit aber den großen Energiekonzernen der Weg zur Energiewende geebnet - auf Kosten der Bürgerbeteiligung“, sagt EKG-Vorstandsmitglied Willi Nitsche.

Wie muss eine bürgernahe Energiepolitik aussehen?

„Die Aspekte Bürgerbeteiligung und vor allem die regionale Wertschöpfung müssen bei der Vergabe von Windkraftflächen und der Ausschreibung von Windparks eine viel größere Rolle spielen als jetzt“, sagt Deuchert. „Andernfalls werden enorme Entwicklungspotenziale für die jeweiligen Regionen verschenkt.“

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