Keine 24-Stunden-Hotline

Wenig Hilfe für Tiere in Not: Einheitliche Regelungen für Fundtiere fehlen

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In Waldau gefunden: Tierarzt Dr. Elmar Westenberger mit Fundhund Walter.

Kreis Kassel. Walter ist ein junger Golden-Retriever-Mischling, der im Tierheim Wau-Mau-Insel sitzt. Bevor der Fundhund dort ankam, verging jedoch einige Zeit.

Denn immer wieder landen Haus- und Wildtiere in Tierarztpraxen und bei Privatleuten. In der Stadt Kassel und im Landkreis gibt es keine 24-Stunden-Hotline, kein zuverlässiges Transportsystem und keine einheitlichen Regelungen. Es war schon 21.30 Uhr, als Tanja Kühne in Waldau auf den Hund stieß. Der folgte einer Gruppe Jugendlicher mit Hunden. Die hätten berichtet, bereits bei der Polizei angerufen zu haben, die habe aber keine Zeit gehabt, weiterzuhelfen. Kühne rief das Tierheim an, erreichte dort aber niemanden. Schließlich brachte sie den Hund in die Tierklinik Doering nach Bettenhausen, denn die hat eine 24-Stunden-Notrufnummer.

Ansprechpartner fehlen

„Die Leute wenden sich an uns, wenn sie nicht wissen, wohin mit dem Tier“, sagt Dr. Elmar Westenberger. Insbesondere abends und nachts seien Tierheim und Ordnungsbehörden nicht erreichbar. Momentan würden pro Woche so etwa fünf Vögel in die Praxis und einmal im Monat ein Hund kommen.

Für beides sind die Tierärzte eigentlich nicht zuständig. Gefundene Haustiere gehören in den Aufgabenbereich der Kommunen, bei diesen sind meist die Ordnungsbehörden Ansprechpartner. Für die Wildtiere sind die Jagdpächter verantwortlich. Der Tierarzt wünscht sich klare Zuständigkeiten, erreichbare Ansprechpartner und eine Möglichkeit des Transportes. Denn in der Praxis müsse immer jemand sein und für die Behandlung mancher Tierarten fehle die Fachkompetenz. „Aber natürlich kümmern wir uns immer um verletzte Tiere“, sagt Westenberger. Bei Fundtieren übernehmen die Kommunen die Kosten für diese Erstversorgung, sagt Karsten Plücker von der Wau-Mau-Insel.

Auch der Tierheimleiter wünscht sich ein besseres Transportsystem und eine ständige Erreichbarkeit. Beides könne das Tierheim mit seiner dünnen Personaldecke nicht leisten. „Hier in Kassel haben wir die Absprache, dass wir die Tiere werktags zwischen 8 und 17 Uhr aufsammeln, bis 22 Uhr ist die Ordnungsbehörde zuständig und danach die Polizei“, erklärt Plücker. Diese hätte Schlüssel für die Notzwinger der Wau-Mau-Insel. Und die sind nötig: Ein- bis zweimal die Woche seien sie belegt. Eine solche einheitliche Regelung gibt es im Landkreis nicht.

„Ich würde mir wünschen, dass sich alle Beteiligten mal zusammensetzen“, sagt Plücker. Eine Möglichkeit wäre es, ein Taxiunternehmen oder eine Person zu finden, die zum Tierfang ausgerüstet und ausgebildet wird. Die könnte dann Tiere zum Heim und in die Pflegestellen bringen. „Dafür muss man aber natürlich auch über die Finanzierung diskutieren“, sagt Plücker. Denn auch für die Unterbringung der Tiere zahlen Stadt und Kommunen unterschiedlich viel und häufig. Die Stadt Kassel sah sich nicht in der Lage, innerhalb von mehr als 24 Stunden die HNA-Anfrage zu beantworten, ob es konkrete Pläne zur Verbesserung von Transport und Erreichbarkeit beim Fund von Tieren gibt.

Und Walter aus Waldau? Den Rüden hat eine der Helferinnen aus der Tierarztpraxis nach Feierabend selbst ins Heim gefahren. Die Chance, dass sich sein Besitzer noch findet, schätzt Plücker nicht allzu hoch ein. Würde er vermisst, würde er gesucht. Auch der Chip in Walters Schulter ist nutzlos: Seine Besitzer haben ihn nicht registriert.

So verhält man sich richtig, wenn man ein Tier findet

Nicht jedes streunende Tier ist obdachlos. Vor Ort sollte man sich umhören, ob jemand das Tier kennt. Besondere Vorsicht ist bei Wildtier-Nachwuchs geboten. Es sollte genau beobachtet werden, ob sich die Elterntiere nicht nur verstecken oder auf Futtersuche sind.

Braucht das Tier eindeutig Hilfe, sollte man bei der lokalen Ordnungsbehörde oder im Tierheim nachfragen, wer für das Tier zuständig ist. In Notfällen sollte die Polizei kontaktiert werden. Diese Stellen können auch helfen zu entscheiden, ob es sich um ein Fundtier oder ein herrenloses Tier handelt. Die Definitionen sind umstritten. Nur bei Fundtieren kommen die Kommunen für die Erstversorgung auf.

Wer sich entschließt, das Tier zu behalten, muss es als Fundsache bei Polizei oder Kommune anzeigen. Meldet sich der rechtmäßige Eigentümer innerhalb von sechs Monaten nach der Fundanzeige, muss das Tier zurückgegeben werden.

Das Tierheim Wau-Mau-Insel ist unter 0561/861 56 80 zu erreichen.

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