Abwasser wird natürlich geklärt

Eiterhagen: Kläranlage nutzt Schilfpflanzen zur Reinigung

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Die Klärschlamm Erde wird auf Lkw geladen, um auf den umliegenden landwirtschaftlichen Feldern verteilt zu werden. 

Söhrewald. Tonnenweise Klärschlammerde ist in den vergangenen Tagen von der Kläranlage Eiterhagen als Dünger auf die umliegenden Felder der Landwirte verteilt worden.

Seit 2003 wird in der Anlage Klärschlamm biologisch um- und abgebaut, sodass ein nicht riechendes, humusartiges Material entsteht, das als Humus-Stickstoff-Phosphordpünger in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Das Besondere: Das Ganze geschieht mit Hilfe von Schilfpflanzen.

Gebaut hat die Vererdungsanlage das Unternehmen Eko-Plant in Neu-Eichenberg bei Witzenhausen, das die Anlage auch betreut. Geschäftsführer Dr. Udo Pauly erklärt das Verfahren:

Zunächst wird das Abwasser in der biologischen Kläranlage durch Mikroorganismen gereinigt. In einem Klärbecken setzt sich anschließend der Klärschlamm am Boden ab und wird dann in eines der drei 700 Quadratmeter großen Vererdungsbeete gepumpt. „Der Klärschlamm besteht zu 99 Prozent aus Wasser und zu einem Prozent aus Feststoffen“, sagt Pauly. Bei dem Verfahren geht es darum, dem Klärschlamm das Wasser zu entziehen. Dabei helfen Schilfpflanzen, die dem Schlamm einen Großteil des Wassers entziehen und verdunsten. Außerdem sorgen sie durch ihr Wurzelgeflecht dafür, dass das Wasser besser abfließen kann, indem der Schlamm eine krümelige Konsistenz erhält. Das abfließende Wasser wird über eine Drainage abgeführt und erneut geklärt. Übrig bleibt eine nährstoffreiche Erde.

Kaum Wartungsarbeiten

Beim herkömmlichen Verfahren werden Wasser und Feststoffe durch die Zugabe von Chemikalien und mit Hilfe von Zentrifugen oder Pressen getrennt. Die Vorteile des Vererdungsverfahrens: Der Klärschlamm hat am Ende 98 Prozent seines Volumens verloren, und der Energieverbrauch beträgt laut Pauly nur ein Fünftel von dem der mechanischen Entwässerung. Außerdem fallen kaum Wartungsarbeiten an.

Ein Schilfbeet kann Swen Fisseler zufolge sechs bis zehn Jahre mit Klärschlamm gefüllt werden. Fisseler leitet die Anlagenbetreuung.

Sie klären mit Hilfe der Natur: Swen Fisseler (links) und Udo Pauly zeigen die Schilfpflanzen, die zur Entwässerung des Klärschlamms eingesetzt werden. 

Anschließend folgt eine Trocknungszeit von sechs bis zwölf Monaten. Dann wird das Beet ausgebaggert, die Erde trocknet noch einmal nach und kann dann als Dünger verwendet werden. Das erste Beet wurde 2012 geleert. Nach dem zweiten in diesem Jahr ist 2021 das dritte Beet an der Reihe. Dann wird wieder das erste Beet gefüllt, in dem bis dahin die Schilfpflanzen nachgewachsen sind.

Bisher haben die Schilfbeete der Anlage, die das Abwasser von 6300 Einwohnern reinigt, etwa 93000 Kubikmeter nassen Klärschlamm aufgenommen. Davon bleiben am Ende laut Fisseler insgesamt nur noch etwa 1000 Kubikmeter mit einem Gewicht von rund 800 Tonnen übrig. Beim herkömmlichen Verfahren würde laut Fisseler das Doppelte an Volumen anfallen.

Das gleiche Verfahren wird auch in der Kläranlage in Helsa eingesetzt. Die Schilfpflanzen, die besonders viele Nährstoffe vertragen, züchtet das Unternehmen in der hauseigenen Gärtnerei selbst.

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