Mit großer Mehrheit

Kreistag stimmt für Stromnetzkauf

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Es geht um die Stromnetze: Der Kreistag hat sich für die Übernahme der Eon-Anteile entschieden. Unser Foto zeigt das Umspannwerk Bergshausen.

Baunatal. Der Kreistag des Landkreises Kassel hat mit großer Mehrheit am Donnerstag in Baunatal dem Rückkauf des Stromnetzes vom Energieversorger Eon Mitte zugestimmt.

Widerstand gegen den unter anderem von Landrat Uwe Schmidt (SPD) ausgehandelten Vertrag gab es lediglich von den Grünen, der FDP sowie einem Vertreter der FWG.

Ab Januar 2014 wäre der Landkreis dann wieder an einer rein kommunal getragenen Gesellschaft unter dem bis 2002 verwendeten Namen EAM beteiligt. Der Landkreises Kassel muss dafür 78,2 Millionen Euro auf den Tisch blättern. Der Kreishaushalt soll damit allerdings nicht belastet werden. Der Kauf soll über ein zinsgünstiges Darlehen und schließlich aus der Rendite finanziert werden, die die erworbenen Anteile abwerfen.

Die Zeit drängt. Bis Jahresende muss das Geschäft für einen Gesamtbetrag von über 600 Millionen Euro über die Bühne gehen. Experten befürchten nämlich, dass ansonsten die Stromnetze neu bewertet werden und es für die Käufer teurer werden könnte. Sollten alle zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen grünes Licht geben, soll der Vertrag mit Eon noch in der nächsten Woche unterzeichnet werden.

Landrat Uwe Schmidt sagte, dass es mit der Entscheidung nicht darum gehe, zu den alten Zeiten der EAM zurückzukehren. „Wir wollen ein modernes Unternehmen schaffen.“ Als weiteren Schritt plane der Landkreis den Aufbau einer Vertriebssparte, in die die Städte und Gemeinden sowie kommunale Anbieter wie die Städtischen Werke Kassel integriert werden könnten, so Schmidt. Zu diesen wolle man keine Konkurrenz aufbauen, sagte er. „Dem Eon-Vertrieb wollen wir aber Kunden abjagen.“ In dem Gebiet gebe es immerhin 600.000 Strom- und Gaskunden.

Timon Gremmels (SPD) sprach von einem vertretbaren Risiko, das der Kreis mit der Übernahme der Stromnetze eingehe. Sicherheit gebe, dass der Markt staatlich reguliert sei. Zustimmung gab es auch von der CDU, die bis zuletzt über ihr Votum beraten hatte. Stimme man nicht zu, so Frank Williges, bestehe die Möglichkeit, dass Eon Mitte an irgendein anderes Energieunternehmen verkauft werde. Den Grünen reichen die in dem Vertrag ausgehandelten Weichenstellungen für eine Energiewende hingegen nicht aus. „In dem Konzept stehe nichts drin zum Thema Energiewende“, sagte Jochen Lody.

Mehrere Fraktionen kritisierten die Haltung der Grünen. Mit dem Kauf der Anteile ergebe sich die einmalige Chance, Einfluss auf die Versorgung und eine Energiewende zu nehmen.

Von Sven Kühling

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