Anklage gegen mutmaßlichen Peiniger liegt noch nicht vor

Mann ins Koma geprügelt: Ist der Verdächtige schuldfähig?

Espenau. Schuldfähig oder nicht? Diese Frage prüft derzeit die Staatsanwaltschaft Kassel im Fall des 29-Jährigen aus Espenau-Hohenkirchen, der unter Verdacht steht, einen 52-jährigen Mann im Juni vergangenen Jahres zusammengeschlagen und dabei schwer verletzt zu haben. Das Opfer liegt seither im Koma.

Götz Wied

Dem mutmaßlichen Täter werden versuchte Tötung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er war Ende August 2015 festgenommen und im Oktober wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann die Tat eingeräumt und weitere Angaben gemacht. Zu den Details und zum Motiv wollte sich Staatsanwalt Dr. Götz Wied aber nicht äußern.

Bei dem Opfer handelt es sich um einen 52-Jährigen aus dem Espenauer Ortsteil Hohenkirchen, der unter dem Verdacht stand, sich im März 2015 auf einem Hof in Espenau an einem Pferd vergangen zu haben. Im September vergangenen Jahres hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn eingestellt, da im Zuge der Ermittlungen kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz festgestellt werden konnte.

Die Anklage gegen seinen mutmaßlichen Peiniger liegt laut Staatsanwaltschaft noch nicht vor. Zunächst werde ein Gutachten eingeholt, um festzustellen, ob der Verdächtige schuldfähig sei. „Wenn es Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit gibt, muss ein Gutachten eingeholt werden. In diesem Fall sehen wir es als erforderlich an“, so Wied. Welche Anhaltspunkte das in diesem konkreten Fall sind, dazu wollte Wied sich nicht äußern. 

Im Allgemeinen würde so verfahren, wenn ein Verdächtiger beispielsweise bei der Tat stark alkoholisiert sei, sichtlich unter Drogeneinfluss stehe oder sich anderweitig auffällig verhalte. So könnten im Rahmen der ärztlichen Untersuchung bei der Festnahme psychische Probleme auffallen. Auch könnten Verteidiger neue Sachverhalte vorbringen, die ein Gutachten erforderlich machten.

Die Frage der Schuldunfähigkeit ist ein Prinzip des Rechtsstaates. Wer ohne Schuld handelt, kann dafür nicht verurteilt werden. Ergeben sich während der Ermittlungen Hinweise, dass der Beschuldigte die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat - etwa im schweren Drogenrausch oder als Folge einer psychischen Krankheit -, kann die Staatsanwaltschaft einen Sachverständigen hinzuziehen und beim zuständigen Gericht einen Unterbringungsbefehl beantragen. Gibt der Richter dem Antrag statt, wird der Beschuldigte in eine mit einem Gefängnis vergleichbar gesicherte psychiatrische Anstalt eingewiesen.

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