Langer Todeskampf des Tieres

Polizist schoss 20 Mal auf Bullen: Video im Netz

Einsatz auf der B 83: Unser Bild zeigt einen Polizisten (rechts), der mit einer Maschinenpistole auf einen Bullen (links) zielt.

Espenau. Zwei am Wochenende bei Youtube hochgeladene Videos werfen viele Fragen auf. Die Aufnahmen zeigen einen Polizeieinsatz am Samstag auf der B83 bei Espenau-Hohenkirchen.

Darin ist unter anderem zu sehen, wie ein Polizist zwanzig Mal auf einen Bullen schießt. Das Video wurde mit einem Smartphone aus einem wartenden Auto aufgenommen. Im Hintergrund sind Stimmen zu hören, die das Geschehen kommentieren.

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Während der Polizist auf das Tier schießt, ist zu erkennen, wie ein schwarzer Gegenstand auf die Straße fällt. Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner handelt es sich dabei aber nicht, wie von den Beobachtern fälschlich vermutet, um die Dienstwaffe des Polizisten, sondern um ein leeres Magazin, das auf den Asphalt fällt. In einem zweiten Video sieht man, wie eine Polizistin mit einer Maschinenpistole auf den Bullen zugeht und das angeschossene Tier im Straßengraben zusammenbricht.

Der Todeskampf des Tieres dauerte fast zehn Minuten. Auf den Aufnahmen gut zu erkennen ist, wie dem Rind das Blut aus dem Maul quillt. Offenbar war die zuvor eingesetzte Pistole der Marke Heckler & Koch mit einem 9-mm-Kaliber nicht ausreichend, um das Rind zu töten. Ebenfalls zu sehen ist, wie eine Polizistin mit einer Maschinenpistole (MP) auf das Rind zielt, während im Hintergrund wartende Autofahrer in ihren Fahrzeugen das Szenario beobachten. Für die Zuschauer soll laut Polizeisprecher aber zu keiner Zeit Gefahr bestanden haben: „Die MP war gesichert, es konnte sich kein Schuss lösen.“ Nach Angaben von Werner zeigt das Video nur einen Teil des Einsatzes. Zu diesem Zeitpunkt sei das Tier schon durch Schüsse verletzt gewesen. Deshalb wirke das Tier auch so ruhig auf den Filmaufnahmen.

Die Polizei begründet den Schusswaffeneinsatz indes wie folgt: „Wenn von einem ausgebüxten Tier Gefahr für Leib und Leben von Menschen ausgeht, also eine gefahrenrechtliche Notsituation besteht, dürfen Polizisten Gebrauch von ihrer Schusswaffe machen“, erklärt Werner auf HNA-Anfrage. Bei dem Polizeieinsatz am Samstagnachmittag bei Espenau-Hohenkirchen hatten die Beamten ein Rind auf der Bundesstraße 83 erschossen, ein weiteres wurde bereits zuvor erlegt. Die Tiere sollen laut Polizei bereits am Freitag aus einem Betrieb in Fuldatal ausgebüxt sein. Dabei sollen die Dreifachsicherung mit Stacheldraht- und Elektrozäunen durchbrochen haben. Eines der Rinder konnte noch vor der B 83 an der Freizeitanlage Espenau durch den Besitzer und einen Metzger erlegt werden.

Nachdem die Polizei eine geraume Zeit lang versucht hatte, die Bullen abzudrängen und einzufangen, entschlossen sich die Beamten vor Ort schließlich, auch das zweite Rind zu erschießen. Das Vorgehen sei mit dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten, der wie auch ein Tierarzt nicht mehr rechtzeitig an der Einsatzstelle eingetroffen wäre, besprochen worden. „Die Tiere waren außer Rand und Band“, begründet Werner den Einsatz.

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„Es kommt häufig vor, dass Polizisten mit einer großen Menge von Schüssen versuchen, ein großes Tier zu erlegen“, sagt der Veterinär auf HNA-Anfrage. Oft handele es sich um fachunkundige Beamten. In der Regel würden große Tiere durch Distanzimmobilisierung, also mithilfe eines Blasrohrs oder Betäubungsgewehrs sediert. Dazu gebe es hochpotente Medikamente, die auch in Zoos genutzt werden. Wenn das Tier „müde gemacht wurde“, könne es mit einem Bolzenschussgerät, das die Stirn durchstößt, erlöst werden. Eine kleinkalibrige Pistole sei hier wenig effektiv.

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