Nach Prügelattacke: Anklage gegen Espenauer erhoben

Vor Gericht: Ein 30-Jähriger aus Espenau muss sich bald wegen des Verdachts des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten. Unser Foto zeigt den Schwurgerichtssaal des Landgerichts in Kassel. Archivfoto: dpa

Espenau/Kassel. Im Fall eines 30-Jährigen aus Espenau-Hohenkirchen, der unter Verdacht steht, einen 52-jährigen Mann im Juni vergangenen Jahres zusammengeschlagen und dabei schwer verletzt zu haben, hat die Staatsanwaltschaft Kassel Anklage erhoben.

Ein Gutachter hatte zuvor die Schuldunfähigkeit des Angeklagten geprüft, da der Verdächtige zur Tatzeit „unter erheblichem Alkoholeinfluss“ stand, so Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel (wir berichteten). Er kam jedoch zu der Einschätzung, dass keine Schuldunfähigkeit vorliegt.

Die Staatsanwaltschaft Kassel habe deshalb bereits Anfang Juni Anklage gegen den 30-Jährigen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erhoben, sagte Wied jetzt auf Anfrage der HNA. Dem Verdächtigen wird laut Wied vorgeworfen, am späten Abend des 11. Juni 2015 in Espenau sein zu diesem Zeitpunkt 51 Jahre altes Opfer zu Boden geschlagen und dann mehrfach - insgesamt 30 Mal - gegen den Kopf getreten zu haben, obwohl dieses sich bereits nach dem ersten Tritt nicht mehr bewegte. Anschließend soll er den Mann seinem Schicksal überlassen haben. Passanten hatten das Opfer etwa 15 Minuten nach der Tat auf einem Gehweg gefunden und den Rettungswagen gerufen. Anschließende Untersuchungen ergaben, dass der Mann durch die Tat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit einer Blutung im Bereich der Hirnhäute erlitten hatte. „Der Geschädigte wird für den Rest seines Lebens auf intensive Pflege und Hilfe angewiesen sein. Er ist in seiner Lebensqualität maximal reduziert“, so Wied.

Bei dem Opfer handelt es sich um einen 52-Jährigen aus dem Espenauer Ortsteil Hohenkirchen, der unter dem Verdacht stand, sich im März 2015 auf einem Hof in Espenau an einem Pferd vergangen zu haben. Im September vergangenen Jahres hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn eingestellt, da im Zuge der Ermittlungen kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz festgestellt werden konnte.

Nach dem Übergriff auf den 52-Jährigen war der 30-jährige Verdächtige im August 2015 festgenommen worden. Nach seiner Festnahme hatte der Mann laut Staatsanwaltschaft die Tat eingeräumt. Im Oktober vergangenen Jahres wurde er unter Auflagen entlassen. Da der Beschuldigte zur Tatzeit unter erheblichem Alkoholeinfluss stand, prüfte die Staatsanwaltschaft Kassel dessen Schuldunfähigkeit. Da ein Gutachter diese als nicht gegeben sah, konnte nun Anklage gegen den Espenauer erhoben werden. Nun gelte es im Verfahren zu klären, ob zumindest eine verminderte Schuldfähigkeit vorliege, sagte Wied.

Wie stark der Verdächtige zur Tatzeit alkoholisiert war, konnte Wied nicht sagen: „Es liegt kein gemessener Wert vor, sondern lediglich die Angabe des Beschuldigten zur Trinkmenge. Aber es liegt in einem Bereich, in dem eine verminderte Schuldfähigkeit möglich ist.“

Wann der Prozess gegen den Beschuldigten beginnt, konnte Wied nicht sagen: „Das Verfahren ist derzeit bei dem Landgericht Kassel anhängig. Ein Hauptverhandlungstermin wurde noch nicht anberaumt.“

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