Staatsanwaltschaft hat Verfahren eingeleitet

Nach Schüssen auf Bullen bei Espenau wird gegen Polizei ermittelt

Einsatz auf der Bundesstraße 83: Unser Bild zeigt eine Polizistin (rechts), der Mitte Dezember mit einer Maschinenpistole bei einem Einsatz in der Nähe von Espenau-Hohenkirchen auf einen Bullen (links) geschossen hatte. Foto: privat / nh

Espenau. Nach den tödlichen Schüssen auf ein ausgebüxtes Rind auf der Bundesstraße 83 bei Espenau-Hohenkirchen hat die Staatsanwaltschaft Kassel jetzt die Ermittlungen aufgenommen.

„Kurz vor Weihnachten traf bei uns als Anzeigenerstatter die Mitteilung der Staatsanwaltschaft Kassel ein, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde“, bestätigt Dr. Edmund Haferbeck von Peta Deutschland in Stuttgart. Haferbeck ist als Manager der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei der Tierschutzorganisation tätig.

„Derzeit wird nicht gegen die Polizisten ermittelt“, erklärt Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Vielmehr müsse zunächst geprüft werden, wer die Verantwortlichen während des Einsatzes waren. Des Weiteren werde nun versucht, den genauen Hergang des Einsatzes zu rekonstruieren.

Peta Deutschland war Mitte Dezember aufgrund der HNA-Berichterstattung auf den Vorfall bei Espenau aufmerksam geworden. Die Tierschützer hatten daraufhin umgehend Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet (wir berichteten). Der Fall sorgte bundesweit für reges Interesse und kontroverse Diskussionen zur Polizeiarbeit, nachdem zwei Youtube-Videos aufgetaucht waren, die den minutenlangen Todeskampf des Tieres dokumentieren. Auf den Aufnahmen, die der HNA zugespielt wurden, war unter anderem zu erkennen, wie ein Polizist 20-mal mit einer Pistole der Marke Heckler & Koch mit einem 9-mm-Kaliber auf das Rind schoss. Ein zweites Video belegt zudem, dass eine Polizistin mit einer Maschinenpistole, ein 9-mm-Kaliber mit längerem Lauf, auf das Rind zielte, während im Hintergrund wartende Autofahrer in ihren Fahrzeugen das Szenario beobachteten.

Die Polizei begründete seinerzeit den Schusswaffeneinsatz wie folgt: „Wenn von einem ausgebüxten Tier Gefahr für Leib und Leben von Menschen ausgeht, also eine gefahrenrechtliche Notsituation besteht, dürfen Polizisten Gebrauch von ihrer Schusswaffe machen“, erklärte Polizeisprecher Torsten Werner.

Aus einem Stall bei Fuldatal waren damals zwei Tiere ausgebrochen. Eines der Rinder konnte noch vor der B  83 an der Freizeitanlage Espenau durch den Besitzer und einen Metzger erlegt werden. Nachdem die Polizei eine geraume Zeit lang versucht hatte, den zweiten Bullen abzudrängen und einzufangen, hätten sich die Beamten vor Ort dazu entschlossen, auch das zweite Rind zu erschießen. Das Vorgehen sei damals mit dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten, der wie auch ein Tierarzt nicht mehr rechtzeitig an der Einsatzstelle eingetroffen wäre, besprochen worden.

Hintergrund: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Tierquälerei wird nach Angaben von Oberstaatsanwalt Götz Wied nicht durch das Strafgesetzbuch geregelt. Der Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes besagt: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

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