Evangelischer Pfarrer aus Kaufungen coacht in Asien Studenten

Stehen in Hongkong Studenten und Schülern beratend zur Seite: Der Kaufunger Maik Friedrich und seine Frau Katie leben mit ihrem Sohn Maximilian in Asien. Foto: Lischper

Kaufungen / Hongkong. Seit zehn Jahren lebt der gebürtige Kaufunger Maik Friedrich in Hongkong. Dort berät der evangelische Pfarrer Schüler und Studenten - auch, um damit die hohe Suizidrate zu verringern.

Maik Friedrich (38) sitzt im Starbucks Café am Kasseler Königsplatz. Auf dem Sofa neben ihm beschäftigt seine Frau Katie (33) Sohn Maximilian. Friedrich tippt auf seinem Tablet-PC - er berät von hier aus junge Menschen in Hongkong. Die Familie macht derzeit Urlaub in Friedrichs Heimat Kaufungen, um den 75. Geburtstag seiner Mutter und die Taufe seines Sohnes zu feiern.

Vor zehn Jahren ging Friedrich als evangelischer Pfarrer in die chinesische Metropole. Sieben Jahre arbeitete er dort in zwei internationalen Gemeinden, beide evangelisch, aber mit unterschiedlichen Strömungen, und beriet Studenten.

Studenten in Zwickmühle

Durch seinen Kontakt mit der chinesischen Kultur wurde er sensibilisiert für die Zwickmühle, in der viele chinesische Studenten stecken: Von ihren Eltern werden sie in die Stadt geschickt, um zügig ein Studium abzuschließen und einen Job zu finden, damit sie schließlich mit dem Geld die Familie unterstützen können, berichtet Friedrich. „Du kannst machen, was du willst: Doktor, Anwalt oder Investmentbanker werden“ - mit diesem Widerspruch würden viele junge Menschen konfrontiert.

Bis zur Abschaffung der Ein-Kind-Politik 2015 sei der Druck auf den Einzelnen noch größer gewesen. Das Problem: „In China ist es nicht üblich, über Probleme zu sprechen“, sagt Friedrich. So habe er vor einigen Jahren mit einem Studenten zu tun gehabt, der lieber sterben wollte, statt seine Eltern damit zu konfrontieren, dass er ihre Erwartungen nicht erfüllen kann.

Da vielen jungen Menschen aber der Zugang zum christlichen Umfeld fehle, gründete er vor drei Jahren Empower Asia, eine gemeinnützige Organisation, die sich über Spenden finanziert. Kirchen, Privatpersonen, aber auch das Fundraising, das die sieben Mitarbeiter betreiben, halten die Organisation über Wasser.

Mit seinem Team berät und trainiert der Kaufunger seitdem Schüler und Studenten ab 16 Jahren - einem Alter, „in dem die Probleme häufig beginnen“. Die meisten Einzeltrainings ergeben sich aus Kursen, die die Trainer an Bildungseinrichtungen geben - Hauptkundschaft seien die Elite-Universitäten. „Etwa vier von 20 Kursteilnehmern kommen im Anschluss zur Einzelberatung und lassen sich zu beruflichen, persönlichen und geistlichen Themen beraten.“

In einem Zeitmanagementkurs sei er mal auf einen Studenten getroffen, der noch schneller arbeiten wollte. Friedrich konnte ihm vermitteln, dass es nicht darum geht, in der gleichen Zeit noch mehr zu schaffen, sondern darum, Prioritäten zu setzen: „Er musste erst mal wieder zurückkommen zu der Frage, was ihm persönlich wichtig ist - unabhängig von den Vorgaben und Regeln der Eltern.“

Zur Person

Maik Friedrich (38) ist in Kaufungen geboren und aufgewachsen. Nach einer Bankausbildung in Deutschland, einem International-Business-Studium mit dem Schwerpunkt Ethik in England und einem Master in Theologie, den er in den USA abgelegt hatte, ging er nach Hongkong. Dort lebt er mit seiner Frau Katie (33) und Sohn Maximilian in Chuk Yuen, 25 km von Hongkong entfernt.

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