Interview

Ex-Fußballerin Martina Müller wird Ehrenbürgerin von Kaufungen

Auch die Umbenennung des Lossetalstadions in Martina-Müller-Stadion war im Gespräch: Am Sonntag wird die ehemalige Fußballnationalspielerin zur Ehrenbürgerin ernannt. Das Bild zeigt sie nach ihrem verwandelten Elfmeter im Champions-League-Finale 2013, als sie für den VfL Wolfsburg spielte. Archivfoto: dpa

Kaufungen. Es ist die höchste Auszeichnung, die eine Kommune vergeben kann: Die Ex-Nationalspielerin Martina Müller bekommt beim Jahresempfang am Sonntag die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Kaufungen.

Damit ehrt die Gemeinde eine Kaufungerin, die mehrfach glänzte - als Weltmeisterin, Europameisterin und Triple-Gewinnerin mit dem VfL Wolfsburg.

Frau Müller, Sie sind die zweite Person, die Ehrenbürgerin von Kaufungen wird. Was sagen Sie dazu? 

Martina Müller: Ich bin natürlich unheimlich stolz und auch schon aufgeregt wegen der Verleihung am Sonntag. Das ist nichts Alltägliches.

Und beinahe wäre sogar das Lossetalstadion nach Ihnen benannt worden. Finden Sie es schade, dass daraus nichts geworden ist? 

Müller: Das wäre cool gewesen, wenn vielleicht auch etwas komisch: Mein Patenkind Luis spielt jetzt dort Fußball. Wenn der dann gesagt hätte, ich gehe heute ins Martina-Müller-Stadion ...

Steht Ihrem Patenkind auch eine Karriere bevor? 

Müller: Man will jetzt keinen Druck ausüben, aber das Potenzial ist da. An erster Stelle steht die Schule, aber er hat gute Gene (lacht) und einen guten linken Fuß.

Die Kaufunger berufen sich gern darauf, dass Ihre sportliche Karriere in Kaufungen begonnen hat. Womit ging’s denn los? 

Müller: Die ersten Schritte waren bei der Jugend in Kaufungen. Damals war der Mädchen- und Frauenfußball ja noch nicht so anerkannt. Da hat man uns eher auf die Bank gesetzt. Irgendwann wollte ich dann unbedingt noch mehr Fußball spielen, da sind wir dann mit der ganzen Familie nach Helsa gewechselt, wo ich mit meiner Schwester und noch einem Mädchen die Jungenmannschaft gegründet habe.

Was verbinden Sie heute mit der Gemeinde? 

Müller: Viele Erinnerungen, aus Kindheit und Jugendzeit. Ich habe noch Freunde in Kaufungen, meine Familie ist vor Ort, mein Bruder bekommt jetzt gerade Nachwuchs und meine Patenkinder leben dort. Heimat kann man nicht ersetzen.

Ihr Karriereende im Mai 2015 liegt nicht lang zurück. Von welchen Fußballmomenten zehren Sie noch? 

Müller: Es ist natürlich das Triple-Jahr mit dem VfL Wolfsburg: Drei Titel in einem Jahr zu holen, mit einer Mannschaft, mit der man das ganze Jahr über arbeitet, die Freizeit teilt - das war das Größte und es zaubert mir immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht.

Sie arbeiten heute im Wolfsburger VW-Werk. Welche Bedeutung hat der Sport noch für Sie? 

Müller: Der Fußball steht nicht mehr so im Fokus, aber ich spiele seit Kurzem wieder in der Bezirksliga, zusammen mit ein paar Kolleginnen von früher. Da trainiert man dann zweimal die Woche und am Wochenende spielen wir. Es ist ein lustiger Haufen und es macht unglaublich Spaß, wieder auf dem Platz zu stehen.

Zur Person

Martina Müller (35) arbeitet seit 2008 bei Volkswagen an ihrer letzten sportlichen Wirkungsstätte in Wolfsburg. Mit fünf Jahren begann sie als Stürmerin bei der damaligen SG Kaufungen. Dann ging es zum FC Helsa und weiter zum FSC Lohfelden und zum TSV Jahn Calden, bis sie als 17-Jährige zum FSV Frankfurt wechselte. Ab 2000 spielte sie beim SC 07 Bad Neuenahr und von 2005 bis 2015 beim VfL Wolfsburg. Sie holte mehrere Titel, unter anderem war sie 2003 und 2007 Weltmeisterin, 2001 und 2009 Europameisterin, 2004 gewann sie die Olympische Bronzemedaille, 2013 und 2014 wurde sie Deutsche Meisterin sowie Champions-League-Siegerin, 2013 und 2015 holte sie den DFB-Pokal.

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