Kommunen und freie Träger suchen Pädagogen

Es fehlt an Sozialarbeitern: Bedarf durch Flüchtlingshilfe  gestiegen

Jugendarbeiter gesucht: Noch wirbt das Jugendzentrum in Espenau mit seinen Öffnungszeiten. Doch das könnte sich bald ändern. Espenau bekommt den Mangel an Sozialarbeitern derzeit zu spüren. Zum 1. Januar 2016 will die Gemeinde die Stelle des Jugendarbeiters neu besetzen. Bisher lief die Stellenausschreibung erfolglos. Foto: Schilling

Kreis Kassel. Wer den Stellenmarkt in der Zeitung verfolgt, der stellt fest, dass eine Berufsgruppe derzeit besonders gesucht ist - die Sozialarbeiter.

Gerade im Bereich der Flüchtlingshilfe schreiben Kommunen und freie Träger von Jugendhilfeeinrichtungen Stellen aus, ob als Betreuer, als Amtsvormund für unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) oder als Leiter von Gemeinschaftsunterkünfte Doch qualifizierte Mitarbeiter sind immer schwerer zu finden.

„Alle suchen händeringend Fachpersonal“, sagt Harald Recke, Direktor der Stiftung Beiserhaus, die unter anderem in Niestetal eine Wohngruppe unterhält. Die Jugendlichen werden dort rund um die Uhr betreut, auch an Wochenenden und Feiertagen. Um diese Betreuung zu gewährleisten, werden laut Recke für eine Gruppe mit neun Bewohnern in der Regel fünf Pädagogen mit Vollzeitstelle benötigt.

Auch die Hephata-Diakonie eröffnet derzeit in ganz Hessen Wohngruppen (unter anderem in Grebenstein und Fuldatal) und sucht für alle Standorte nach Erziehern, Sozialpädagogen und Sozialarbeitern. Harald Meiß, Bereichsleiter der Hephata-Jugendhilfe, geht davon aus, dass mehr als 100 neue Mitarbeiter benötigt werden. Die Suche nach Fachpersonal gestalte sich zwar nicht einfach, das Interesse der Pädagogen an diesem Arbeitsfeld sei aber hoch. Der Verein hat für die Arbeit im Bereich umA ein internes Schulungsprogramm entwickelt, um auch Berufseinsteiger schnell fit zu machen.

Aufgrund der großen Nachfrage haben zudem Quereinsteiger Chancen auf eine Anstellung. „Wir sprechen auch mit Bewerbern, die vielleicht ein artverwandtes Studium wie etwa Soziologie absolviert haben und bereit sind, sich berufsbegleitend noch weiterzubilden“, erklärt Recke.

Der Landkreis Kassel sucht ebenfalls Fachkräfte, etwa als Leiter für die Gemeinschaftsunterkünfte und, eigentlich kontinuierlich, für den Fachbereich Jugend. „Die Qualität der Bewerber geht zurück“, stellt Kreissprecher Harald Kühlborn fest. Allerdings profitiere der Landkreis von der guten Zusammenarbeit mit der Universität Kassel. Zudem würden sich Bewerber selbst bei befristeten Stellen gern bewerben, weil sie sich eine größere Chance auf eine spätere Weiterbeschäftigung ausrechnen.

Der Mangel an Sozialarbeitern erstreckt sich aber nicht nur auf die Flüchtlingshilfe. Auch die Gemeinde Espenau bekommt ihn derzeit zu spüren. Dort soll die Stelle des Jugendarbeiters neu besetzt werden, die Ausschreibung verlief bisher ohne Erfolg. „Gegenwärtig ist das Stellenangebot für diese Berufssparte extrem hoch. Von daher können sich geeignete Bewerber nahezu aussuchen, wo sie ihre Tätigkeit verrichten möchten“, sagt Bürgermeister Carsten Strzoda. Klar sei, dass die ländliche Region Schwierigkeiten hätte, mit Oberzentren mitzuhalten. Dabei habe ein Jugendarbeiter gerade in einer kleinen Verwaltung viele Vorteile, wie kurze Wege bei Entscheidungen und die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. (pmi)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.