Bewerbung bei Hammer in Fuldabrück stand im Netz

Der Hammer-Markt in Fuldabrück-Bergshausen: Hier hat sich der 35-Jährige aus dem Werra-Meißner-Kreis beworben. Seine Bewerbungsunterlagen waren bis Montagmittag im Internet einsehbar. Foto:  Koch

Fuldabrück. Wer am Montag bei Google nach Informationen über den Heimtextilmarkt Hammer im Gewerbegebiet von Fuldabrück-Bergshausen suchte, der rieb sich verwundert die Augen.

Unter den Suchbegriffen „Hammer“ und „Bergshausen“ erhielten die Nutzer auf der Google-Übersicht in einem Kasten Informationen, die ganz sicher nicht für sie bestimmt waren.

Dort tauchten die kompletten Unterlagen eines Mannes aus dem Werra-Meißner-Kreis auf, der sich bei Hammer um eine Anstellung als Einzelhandelskaufmann bewirbt. Wer auf der Darstellung im Netz auf „Fotos anzeigen“ drückte, konnte die Bewerbungsunterlagen den ganzen Montagvormittag über einsehen - und sie zwecks besserer Lesbarkeit auch ausdrucken.

So erfahren die Leser des vertraulichen Dokuments, dass „Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Hilfsbereitschaft“ angeblich zu den Stärken des Bewerbers zählen. Erheblich sensibler sind die persönlichen Daten, die bis gestern Mittag jedermann einsehen konnte: etwa, dass der Mann zwei Kinder hat und 1996 seine Schullaufbahn mit dem Hauptschulabschluss beendet hat.

Außerdem einsehbar: Postanschrift und E-Mail-Adresse sowie Festnetz- und Mobiltelefonnummer. Hinzu kam das Foto auf dem Anschreiben.

„Das ist eine Sauerei“, sagte der Bewerber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, am Montag auf HNA-Anfrage. Er sei bereits am Morgen von Internetnutzern auf die öffentlich einsehbaren Bewerbungsunterlagen hingewiesen worden. Wie diese im Internet landen konnten, kann sich der 35-Jährige nicht erklären. Er habe „nichts bei Hammer hochgeladen“, berichtete der Bewerber. Er habe auf Google lediglich nach der Adresse des Fachmarktes gesucht.

Firma: Fehler des Bewerbers 

Martin Pieper, für den Markt in Fuldabrück zuständiger Geschäftsführer, erklärte dagegen am Abend, der Bewerber habe einen Fehler gemacht. Er habe seine Unterlagen unter „Bewertung“ statt unter „Bewerbung“ hochgeladen. Es liege also eine Verwechslung vor, das Unternehmen treffe keine Schuld.

Warum es bei dieser Version angeblich möglich sein kann, dass Beiträge ungeprüft veröffentlicht werden, sagte der Hammer-Geschäftsführer nicht.

Der Bewerber war am Montagabend für eine erneute Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.

Hintergrund: Datenschutz bei Bewerbungen

Da Bewerbungsunterlagen zu den personenbezogenen Daten gehören, unterliegen sie einem besonderen Schutz. Verstöße werden laut Bundesdatenschutzgesetz mit Geldstrafen geahndet. Für die sichere Aufbewahrung der Unterlagen und die Vertraulichkeit ist das Unternehmen verantwortlich, bei dem die Bewerbung eingeht. Eingesehen werden dürfen die Unterlagen nur von Mitarbeitern, die mit der Einstellung beschäftigt sind, also Personalsachbearbeitern und Führungskräften. Der Betriebsrat muss über Bewerbungen informiert werden.

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