Fuldabrück: Falschbehauptungen über Flüchtlinge im Umlauf

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In dem Containerdorf am Oderweg in Fuldatal-Bergshausen werden keine Flüchtlinge untergebracht. Derzeit spielen hier die Kinder der Kita Wackelzahn, weil die Kita-Gebäude saniert werden. Schon im Mai wird das Containerdorf wieder abgebaut.

Fuldabrück. Dieter Lengemann, Bürgermeister in Fuldabrück, muss in diesen Tagen viele Unwahrheiten im Zusammenhang mit Flüchtlingen richtig stellen.

„Es ist nichts schrecklicher als tätige Unwissenheit“: Was Goethe schon vor gut 200 Jahren gesagt hat, ist derzeit in Fuldabrück offenbar hochaktuell. „Es ist unglaublich, was in der Gemeinde derzeit an Falschbehauptungen über Flüchtlinge verbreitet wird“, sagt Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD). Dabei sei es schwierig zu sagen, wer genau diese Gerüchte in die Welt setze, „Fakt aber ist, sie sind da“. Er selber höre sie immer wieder bei Terminen oder bei Treffen mit Bürgern. „Da wird einfach viel Unsinn erzählt.“ 

• So sei es falsch, dass in das Gebäude des ehemaligen Modehändlers Karl Fernau am Ostring 3 in Bergshausen demnächst Flüchtlinge einziehen werden. „In das Gebäude wird im April auf 500 Quadratmetern eine Fachfirma für Golfartikel einziehen“, sagt Lengemann. Schon jetzt sei hier ein Tennisgeschäft angesiedelt. • Falsch ist ebenso die Behauptung, dass in die Tennishalle Bergshausen an der Straße Zum Sportplatz 9 Flüchtlinge einziehen werden. „Die Tennishalle wird von der Kasseler Sportstätten KG betrieben. Sie wird angemietet und genutzt von Vereinen und von Privatpersonen“, sagt Lengemann. Von Leerstand könne keine Rede sein. 

• „Falsch ist die Behauptung, dass in die Container am Oderweg in Bergshausen Flüchtlinge einziehen werden“, sagt Lengemann. Derzeit seien hier die rund 120 Kinder der Kita „Wackelzahn“ untergebracht, weil die Kita am Spenglershöfchen 5 saniert werde. „Diese Container werden sofort wieder abgebaut, wenn die Kita im Mai fertig saniert ist.“ 

• Falsch sei darüber hinaus, dass das Gehalt des Bürgermeisters wegen der Flüchtlinge steige. „Das Bürgermeistergehalt wird in der Hessischen Kommunalbesoldungsverordnung geregelt“, sagt Lengemann. Flüchtlinge als Berechnungsgrundlage spielten hierbei keine Rolle. Entscheidend sei die Einwohnerzahl einer Gemeinde. Aktuell zähle Fuldabrück 8600 Einwohner und 120 Flüchtlinge. „Mein Gehalt würde erst steigen, wenn wir in Fuldabrück die 10.000-Einwohner-Marke knackten“, sagt Lengemann. Das sei aber eher unwahrscheinlich. 

• „Falsch ist nicht zuletzt die Behauptung, dass die Gemeinde für die Flüchtlinge aufkommen muss“, sagt Lengemann. Die Unterbringungskosten in Höhe von 865 Euro pro Flüchtling und Monat würden allein vom Landkreis getragen. „Wir als Gemeinde zahlen keinen Euro für die Flüchtlinge.“ Im Gegenteil - eher käme Geld rein über den Kommunalen Finanzausgleich (KFA). „Auch hier gilt die Regel: Je mehr Einwohner, desto mehr Geld fließt über den KFA in die Gemeindekasse.“

Lengemann selbst ist erstaunt, wie lange und hartnäckig sich derartige Falschbehauptungen in der Bevölkerung halten. „Dabei ist in Fuldabrück auch ein ganz anderer Geist lebendig“, sagt der Bürgermeister - und meint damit den Unterstützerkreis „Gemeinsam Leben in Fuldabrück“. Mit seiner Arbeit leiste er unschätzbar viel für die Integration der Flüchtlinge im Fulda-Ort.

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