Natürschützer: "Art des Schnitts ist zerstörerisch"

Fuldabrücker Pensionär wirft Hessen Mobil rabiaten Gehölzschnitt vor

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Seine Kritik an Hessen Mobils Umgang mit Hecken erfuhr Zustimmung von vielen Seiten: Auf seinen Brief an das Ministerium erhielt Dieter Schmidt aus Dennhausen aber keine ihn zufriedenstellende Antwort.

Fuldabrück. Dieter Schmidt aus Dennhausen ist unzufrieden: Anfang Februar hatte er beobachtet, dass Hecken entlang der Kreisstraße 13 zwischen Kassel nach Fuldabrück-Dennhausen radikal gekürzt wurden.

Die Art und Weise, wie Hessen Mobil das Gehölz geschnitten hatte, befand er als unsauber und zerstörerisch. Das läge unter anderem am Einsatz nicht fachgerechter Geräte, lautete sein Vorwurf. Er wandte er sich an das hessische Verkehrsministerium - und bekam drei Wochen später Post.

„Ich bin sehr verärgert über diese Art der Antwort“, sagt Schmidt im Gespräch mit der HNA. Er fühle sich nicht ernst genommen. Das Ministerium beruft sich auf Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus, der Schmidts Argumente als „nicht zutreffend“ bezeichnet. Die Art und Weise des Gehölzschnittes sei „seit Jahren ein allgemein gebräuchliches Verfahren“ heißt es in dem Brief, der der HNA vorliegt, und eine Schädigung des robusten Gehölzes sei bislang nicht bekannt. Bei einer unsauberen Abtrennung von Ästen würde „punktuell mit einer Motorsäge nachgearbeitet“, heißt es weiter.

Fühlt sich missverstanden

In einem weiteren Brief bezieht Schmidt nun zu der Antwort aus dem Ministerium Stellung. Ein fehlerhaftes Vorgehen werde nicht richtiger, weil in der Vergangenheit so verfahren wurde. Ihm gehe es um einen vernünftigen Umgang mit der Natur, „dazu gehört auch eine Hecke“.

Man müsse die Verkehrssicherheit gewährleisten, heißt es vom Ministerium. Nur mit dem Gehölzschnitt könne man die Bildung von „Stangenholz, das sich durch Regen und Schneelasten in den Straßenraum biegt“, verhindern. Da habe man ihn wohl missverstanden, sagt Schmidt, denn er habe lediglich die Art und Weise des Gehölzschnittes bemängelt, nicht dessen Notwendigkeit.

„Wenn eine Hecke solche Lücken hat, dann braucht man auch gar keine Hecken“, sagt der Landesbeamte a.D., der auch Mitglied beim Naturschutzbund (Nabu) Schwalm-Eder ist. Hecken erfüllten einen besonderen Zweck - für Flora und Fauna. Eine HNA-Anfrage beim Nabu in Berlin bestätigt das.

Die HNA-Recherchen hatten ergeben, dass auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Hessen Mobils Umgang mit Hecken für nicht fachgerecht hält: „Maschinen dieser Art sind die schlechteste Methode, um Hecken schonend zu schneiden“, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn. Derart bearbeitete Gehölze würden besonders schlecht wieder neu austreiben und nachwachsen. Gesetzliche Vorschriften zur zu verwendenden Technik gebe es aber leider nicht.

Seinen Brief an das Ministerium werde der Dennhäuser dieser Tage einwerfen. Auch, wenn bei manchen Nachbarn seine Eigeninitiative auf Unverständnis stößt. „Schmidt, du bist verrückt, da kommt doch gar nichts bei raus“, bekam er neulich zu hören. Diesen Aspekt nimmt er am Ende seines Schreibens nach Wiesbaden auf: „Widersprüche zu unsinnigen Vorgaben werden aus Angst und Trägheit von Ausführenden nicht vorgebracht. Verantwortung zu übernehmen, ist aber in jeglicher Hinsicht unabdingbar.“

Das sagt der Nabu

„Heimische Heckenarten haben einen besonderen Wert“, sagt Nabu-Experte Julian Heiermann. Zahlreichen Tieren und Insekten böten sie Lebensraum und zudem fungierten sie vielerorts als Windschutz und Feuchtigkeitsspender. So würden Hecken an Feldern zum Beispiel Winderosion verhindern und die Felder so schützen. Das Bundesnaturschutzgesetz regele die Entfernung von Gehölzen, allerdings mit Ausnahmen. So könnten Behörden zugunsten der Verkehrssicherheit Hecken schneiden. Dann sei ein sauberer Schnitt besonders wichtig, denn grober Schnitt mit falschen Geräten biete viel Angriffsfläche für Pilzbefall.

Einzige Möglichkeit sei in diesem Fall, an das Land Hessen zu appellieren.

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