Naturschützer: "Pflanzen sehen erbärmlich aus"

Gehölzschnitt am Straßenrand: Naturschützer über Hessen Mobil empört

Fuldabrück/Kreis Kassel. Wenn es um den Gehölzschnitt entlang von Kreis- und Landesstraßen geht, kennt Hessen Mobil nix: Grünzeug wird gnadenlos abrasiert.

So auch an der K13 von Kassel nach Fuldabrück-Dennhausen. Vor einigen Tagen hat hier der Straßenbetrieb des Landes zur Verkehrssicherung Sträucher geschnitten, die über die Straße zu wachsen drohten.

„Von Schnitt kann hier aber keine Rede sein“, sagt Dieter Schmidt aus Dennhausen. Vielmehr seien die bis zu fünf Zentimeter dicken Äste von der eingesetzten Maschine zerfetzt worden. Deshalb geht er davon aus, dass dort eine sogenannte Ketten- oder Keulenschleuder eingesetzt wurde. „Hier wird auf Kosten der Natur schnell und unsauber gearbeitet“, wettert Schmidt.

Nein, das sei nicht der Fall, sagt Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil. „Geschnitten wurde mit einem Gehölzkopf, der seitlich an einem Unimog angebracht ist.“ Er funktioniere wie ein Rasenmäher mit Mulcher. „Das Gehölz wird von oben her bis zur gewünschten Höhe abgeschnitten.“ Das Schnittgut werde dabei zerhäckselt und über ein Saugrohr aufgefangen.

Doch auch diese Praxis ist für Schmidt, Landesbeamter a.D. und Mitglied beim Naturschutzbund (Nabu) Schwalm-Eder, ein Dorn im Auge. „Die Pflanzen sehen erbärmlich aus, die Äste sind viele Zentimeter nach unten hin eingerissen“, sagt Schmidt. Pilze könnten so ungehindert eindringen, die Sträucher trockneten von innen her aus. „Am Ende stirbt die ganze Pflanze ab“, sagt der Dennhäuser.

Dieser Auffassung ist auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel. „Maschinen dieser Art sind die schlechteste Methode, um Hecken schonend zu schneiden“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Es zeige sich, dass derart bearbeitete Gehölze besonders schlecht wieder neu austreiben und nachwachsen. „Gesetzliche Regelungen, mit welcher Technik Gehölze geschnitten werden dürfen, gibt es aber nicht“, sagt Kühlborn - lediglich existierten Normregeln, die einen sachgerechten Schnitt, zum Beispiel mit Motorsägen, besonders empfehlen. Weil auch der Landkreis Kassel in Sachen Gehölzpflege mit Hessen Mobil zusammenarbeite, „müssen wir leider sagen, dass auch wir die Praxis, derart grob Gehölze zu schneiden, nicht gern sehen“, sagt Kühlborn.

Horst Sinemus sieht das anders. Bei den Gehölzen entlang von Kreis- und Landesstraßen handele es sich meist um robuste Gewächse, die nach einem Schnitt gut und schnell wieder nachwachsen. „Probleme mit dauerhaften Schädigungen sind uns nicht bekannt“, sagt Sinemus. Auch stimme der Vorwurf nicht, ausschließlich aus Effizienzgründen würden Maschinen dieser Art eingesetzt. „Das ist inzwischen ein ganz normales Verfahren.“

Dennoch gibt Sinemus zu, dass derart geschnittene Hecken „ziemlich ruppig“ aussehen. „Im Fall der K13 werden wir auch noch per Hand mit Motorsägen nacharbeiten.“

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.