Land: Blitzer an Bergshäuser Brücke bleiben abgebaut

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Lärmquelle: Tag und Nacht sind die Anwohner der Bergshäuser Brücke dem Krach von der Autobahn 44 ausgesetzt. 

Fuldabrück/Kassel. Trotz der massiven Kritik aus Fuldabrück wegen des Abbaus der Blitzer an der Bergshäuser Brücke der Autobahn 44 hält das Land an der Entscheidung fest.

Es gebe keinen Grund, das Vorgehen des Polizeipräsidiums Nordhessen zu revidieren, sagte Michael Schaich, Sprecher des Innenministeriums, auf HNA-Anfrage. Daran ändere auch der jüngst in Wiesbaden eingetroffene Protestbrief von Fuldabrücks Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD) nichts.

Wie berichtet, hatte das Polizeipräsidium die in beiden Fahrtrichtungen installierten Radaranlagen abbauen lassen. Begründung der Fachleute: Bei der Bergshäuser Brücke handele es sich nicht um einen Unfallschwerpunkt. Bei den Anwohnern und Verwaltungschef Lengemann stößt das Vorgehen der Polizei auf absolutes Unverständnis. Der Bürgermeister wirft den Beamten vor, den wahren Grund für die Installation der Blitzer Mitte der 1990er-Jahre nicht zu kennen.

Es sei dabei nicht um einen Unfallschwerpunkt, sondern darum gegangen, durch die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde (km/h) für Personenwagen und 60 km/h für Lastwagen die Lärmbelastung für die Anwohner der Brücke zu reduzieren. Die Blitzer, die der Einhaltung des Tempolimits dienten, beschäftigen inzwischen auch die Landesregierung. Ihr liegt eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Timon Gremmels (Niestetal) vor. Er fordert Auskunft über die Beweggründe für die Entscheidung und die Verantwortlichen dafür.

Minister kümmerten sich

Unterdessen zeigt ein Blick in das HNA-Archiv, dass es beim Aufstellen der Blitzer tatsächlich primär um den Lärmschutz ging. Ende Januar 1996, also vor fast genau 20 Jahren, installierte der damalige hessische Verkehrsminister Lothar Klemm (SPD) eigenhändig die Schilder mit der Tempobegrenzung.

Es geht eindeutig um den Lärmschutz: Verkehrsminister Lothar Klemm (SPD) brachte vor 20 Jahren die Schilder an. Archivfoto:  Koch

Auf einem Zusatzschild, das zeigt der Zeitungsartikel vom 30. Januar 1996, ist zu lesen, worum es dabei ging: Lärmschutz. Im Sommer 1996 kündigte das Innenministerium dann eine fest installierte Radaranlage für die 700 Meter lange und 52 Meter hohe Autobahnbrücke über die Fulda an.

Aufgebaut wurde die 250.000 D-Mark (125.000 Euro) teure Anlage Mitte November 1996 - und zwar im Beisein des damaligen Innenministers Gerhard Bökel (SPD). Den Ausschlag für die Entscheidung, das Tempo zu reduzieren und die Blitzer aufzustellen, gaben die Ergebnisse von aufwändigen Messungen an der Brücke.

Als Hauptlärmquelle erwiesen sich dabei die Fahrbahnübergänge von der Brücke zu den Widerlagern. Vorausgegangen war der Entscheidung des Innenministeriums ein jahrelanger Kampf der Brücken-Anwohner und des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Müller (SPD) für mehr Lärmschutz.

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