Urgestein der nordhessischen Wirtschaft

Insolvenz: Überraschendes Aus für Charly’s Modetreff

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So kennen ihn viele: Charly Fernau – modisch gekleidet – vor einigen Jahren vor seinem Geschäft in Baunatal.

Fuldabrück/Baunatal. Die Charly's Modetreff GmbH mit Sitz in Bergshausen ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Die Melsunger Anwaltskanzlei Henningsmeier bestätigt auf Anfrage, dass das Kasseler Amtsgericht zum 1. Mai ein Insolvenzverfahren eröffnet hat. 

Chef der Gesellschaft ist der in der Region weithin bekannte Fuldabrücker Unternehmer Karl „Charly“ Fernau.

Betroffen sind nach Angaben von Insolvenzverwalterin Jutta Rüdlin 31 Filialen im Bereich Mode und Bastelbedarf mit insgesamt 128 Beschäftigten. Bemühungen, einen wesentlichen Teil des Unternehmens auch langfristig zu erhalten, seien gescheitert, teilt Rüdlin auf Anfrage mit. „Derzeit läuft in allen Läden der Charly’s Modetreff GmbH der Ausverkauf.“

Karl „Charly“ Fernau ist ein Urgestein der nordhessischen Wirtschaft. Der heute 86-jährige Fuldabrücker hat sich als „Selfmademan“ seit den 70er-Jahren ein kleines Mode- und Bastel-Imperium geschaffen. Über 40 Läden gab es zwischenzeitlich in vier Bundesländern. Einen „Charly’s Modetreff“ kennt nahezu jeder in der Region. In Fuldabrück war bis vor wenigen Wochen der Firmensitz. In Baunatal gibt es allein zwei Geschäfte, neben dem Modetreff noch Textilia.

Fernau hat die Innenstadt von Baunatal von den Anfängen an mitgestaltet. Er war einer der Ersten mit einem Laden in der vom VW-Boom geprägten neuen City. Viele kennen das Geschäft noch, das sich damals Fundgrube nannte. Auch an der Gräfestraße in Kassel hatte Fernau zu dieser Zeit eine Filiale. Charly’s Modetreff steht für günstige Kleidung rund um Jeans, Bluse, Kleid und T-Shirt.

In den Anfängen, das ist heute kaum vorstellbar, war Charly Fernau mit einem Pappkoffer auf dem Fahrrad im Lande unterwegs. Darin hatte er Bekleidung, die er überall in den Orten präsentierte. Das war so etwas wie ein Vorgänger des modernen Versandhandels - die bestellten Kleidungsstücke kamen nämlich später per Post.

Karl Fernau ist in der Region ebenfalls als Liebhaber alter Autos bekannt. Anfang des Jahrtausends hatte er zum Beispiel einen Riesen-Oldtimer mit dem Namen American La France Simplex aus England importiert und wieder aufgebaut. Das rote Gefährt mit 15 Litern Hubraum, das es nur noch zweimal auf der Welt gab, war so kraftaufwendig zu steuern, dass Fernau immer einen zweiten Fahrer für längere Touren benötigte.

Bei der Stadt Baunatal macht man sich indes Gedanken über die Folgen einer möglichen Insolvenz des Unternehmens. Immerhin hat Fernau zwei Läden in der an den Marktplatz angrenzenden Glaspassage. Es gebe Überlegungen, so Bürgermeister Manfred Schaub (SPD), dass die Läden nicht eins zu eins weitervermietet werden. Vielmehr müsse man Konzepte für andere Ladengrößen entwickeln. Dazu müsse man mehrere Eigentümer an einen Tisch bekommen.

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