Granaten unterm Rasen

Blindgänger auf dem Gelände der Bundespolizei in Fuldatal

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Blick von oben nach Süden hin auf das Areal der Bundespolizei in Fuldatal-Ihringshausen: Während des Zweiten Weltkrieges befand sich dort ein Munitionsdepot. Übrig gebliebene Granaten wurden gesprengt – einige jedoch wurden dabei nicht zerstört und beschäftigen aktuell die Kampfmittelsucher. Rechts hinten ist der Kasseler Stadtteil Warteberg zu sehen, links das Gewerbegebiet an der Dörnbergstraße in Fuldatal. Die kommunale Grenze zwischen Vellmar (rechts) und Fuldatal (links) zieht sich vertikal durch die Kasernenanlage. 

Fuldatal. Auch das heutige Gelände der Bundespolizei in Ihringshausen-West war im Zweiten Weltkrieg Ziel von Bombenangriffen durch die Alliierten.

Dennoch spielt dort das Thema Blindgänger – so wie im Kasseler Stadtgebiet (aktuell in der Karlsaue und im Bergpark) – eine nicht ganz so große Rolle. Vielmehr schlummert im Boden auf der Anhöhe zwischen Kassel-Philippinenhof, Fuldatal-Simmershausen und Vellmar-Niedervellmar eine andere Gefahr – schwere Munition, die nie zum Einsatz gekommen ist. „Sie ist auf dem ganzen Gelände verteilt“, sagt Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes des Regierungspräsidiums Darmstadt.

Über 1000 Stück gefunden

Die Suche nach der über 70 Jahre alten Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ist bereits seit einiger Zeit im Gange. Wie viel und was genau dort im Boden verborgen lag und noch liegt, ist bislang nicht klar. „Sicher ist nur, dass bereits Munition gefunden wurde“, bestätigt Judith Tölle, Sprecherin bei der Bundespolizei.

Nach HNA-Recherchen handelt es sich schon jetzt um eine nicht unerhebliche Menge. Die Rede ist von über 1000 Einzelstücken – vor allem Munition für landgestützte Kanonen. Angestoßen hat die Kampfmittelsondierung die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der das Gelände mitsamt der dortigen Kasernen-Anlage gehört. Hintergrund ist nach HNA-Informationen ein geplantes Bauvorhaben.

Großes Munitionsdepot

Die Munition ist ein Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg. Tatsächlich gab es auf dem Areal einst ein großes Munitionsdepot. In mehreren Gebäuden wurden Kampfmittel verschiedenster Art gelagert, darunter viele Sprenggranaten, die von Artillerie-Geschützen abgefeuert werden. Einige dieser Gebäude wurden durch Luftangriffe der Alliierten gezielt zerstört, andere havarierten, einige überstanden die Kriegsjahre unbeschadet.

„Alles, was damals an Munition übrig geblieben ist, wurde nach dem Krieg auf einen Haufen gelegt und gesprengt“, sagt Gossens. Viele Granaten seien dadurch allerdings nicht zerstört, sondern bedingt durch die Wucht der Explosion weit im Gelände verteilt worden.

Gemeinden auch betroffen

So ist davon auszugehen, dass auch außerhalb des Areals der Bundespolizei Munition auffindbar ist. Betroffen wären dann die Gemeinde Fuldatal und die Stadt Vellmar – die kommunale Grenze verläuft genau durch die Liegenschaft der Bima.

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