Fliegerbombe traf Munitionsbunker in Ihringshausen

Zeitzeuge erklärt, warum Areal in Fuldatal mit Kampfmitteln verseucht ist

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Luftaufnahme aus dem Jahr 1945: Dieses Bild zeigt das Areal der heutigen Bundespolizei in Fuldatal-Ihringshausen. Das Gelände ist übersät mit Bombentrichtern, die vom ersten großen Luftangriff auf Kassel am 3. Oktober 1943 stammen. Auch zeigt es Teile der damals im Wald versteckten Munitionsanstalt (gelb markiert). Der große Sprengtrichter oben im Bild markiert jene Stelle, in der unmittelbar nach dem Bombenangriff vom 3. Oktober ein Munitionslager havarierte. Nach dem Krieg wurde dort übriggebliebene Munition eingefüllt und gesprengt. Die rot markierten Bereiche bezeichnen den heutigen Gebäudebestand. 

Fuldatal. Nach großen Mengen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wird derzeit auf dem Areal der Bundespolizei in Fuldatal-Ihringshausen gesucht. Der Bombenangriff auf Kassel vom 3. Oktober 1943 erklärt, wie es zu der schweren Kontamination mit Kampfmitteln kam.

„Allmählich ging der Angriff zu Ende; da flog im Osten von uns etwa gegen 23 Uhr die Munitionsanstalt Ihringshausen in die Luft, (es gab) eine fürchterliche Stichflamme, eine gewaltige Explosion ... Wir sahen die blutrote Wand am Himmel. Der Widerschein der Brände stieg hoch empor!“ So schildert der Kasseler Luftwaffenhelfer Gebhard Niemeyer, damals 16 Jahre alt, die Ereignisse des ersten großen Luftangriffs auf Kassel am 3. Oktober 1943.

Luftaufnahmen der Alliierten aus der Kriegszeit belegen die gigantische Wucht der Explosion, die sich auf dem heutigen Areal der Bundespolizei in Fuldatal-Ihringshausen zugetragen hat. Damals befand sich dort die Heeresmunitionsanstalt 44 / 2. Die Bomben, die eigentlich die Kasseler Innenstadt treffen sollten, wurden wegen falscher Zielmarkierungen irrtümlich über Bettenhausen, Sandershausen, Wolfsanger und Ihringshausen abgeworfen.

Eine dieser Bomben traf – wohl zufällig – auch einen der vielen Munitionsbunker auf dem Gelände der Muna 44 / 2. Doch wurde der Bunker offenbar nur beschädigt, was aber genügte, um kurz nach dem Bombenangriff eine verheerende Havarie auszulösen.

Damit bestätigt sich die Vermutung von Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes, dass damals „eines der Munitionslager unkontrolliert in Luft geflogen ist und die Munition viele Hundert Meter weiter verteilt wurde“.

Doch nicht nur das: Später, als Teile Ihringshausens von Blindgängern und Kriegsmunition befreit wurden, seien dann diese Kampfmittel in den großen Explosionskrater, der durch die Havarie entstanden war, eingefüllt und gesprengt worden. Dabei, so Gossens, sei aber nur ein kleiner Teil der Munition zerstört worden. „Durch die Detonation ist ein Großteil der Munition mehrere Hundert Meter weit geschleudert worden.“

Ein Luftbild aus dem Jahr 1945 zeigt eindrücklich den großen Explosionskrater am oberen Bildrand. Heute ist dieses Areal mit Wald bewachsen, und kaum etwas erinnert noch an die damaligen Zerstörungen – nur eine kleine kreisrunde Lichtung.

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