Bundespolizei 2015 so gefordert wie nie zuvor

Ein Einsatz, den keiner vergisst: Bundespolizist Kai Seeger berichtet von seiner Arbeit

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Fuldatal/Vellmar/Duderstadt. Bei Großdemonstrationen und an jedem Fußballwochenende, an der Grenze, auf Bahnhöfen und Flughäfen – überall sorgt die Bundespolizei für Sicherheit.

Gesteuert werden all diese Einsätze der Bundesbereitschaftspolizei aus dem beschaulichen Fuldatal.

Die im Ortsteil Ihringshausen beheimatete Direktion Bundesbereitschaftspolizei ist verantwortlich für die Führung und Koordination der insgesamt zehn Bundespolizeiabteilungen in Ratzeburg, Uelzen, Blumberg, Bad Düben, Duderstadt, Sankt Augustin, Hünfeld, Bayreuth, Bad Bergzabern und Deggendorf. 2015 war für die Einsatzkräfte das Jahr mit den meisten Einsätzen seit Bestehen der Bundesbereitschaftspolizei. Vor allem die Migrationswelle forderte und fordert die Beamten außergewöhnlich stark. Einer von ihnen ist Kai Seeger.

Kai Seeger.

Der 43-jährige Polizeihauptkommissar ist seit knapp zwei Jahren Hundertschaftsführer in der Einsatz-Abteilung im niedersächsischen Duderstadt. Seine Einheit war eine der ersten, die in Deggendorf (Bayern) an der deutsch-österreichischen Grenze eingesetzt wurde, um die dort ankommenden Migranten zu registrieren und an verschiedene Erstaufnahme-Einrichtungen zu verteilen. „Unsere Einheit hat dort eine sogenannte Bearbeitungsstraße betrieben“, berichtet Seeger. Dabei gehe es um das schnelle, planmäßige Bearbeiten von möglichst vielen Personen in möglichst kurzer Zeit. „Mit dem Auftrag sind wir dorthin gefahren und dachten, es geht um Sachbearbeitung. Wir haben dann aber relativ schnell festgestellt, dass dieser Einsatz viel mehr fordert“, erinnert sich der Hundertschaftsführer.

Flexibilität war gefragt: Der Versorger der Einheit beispielsweise sei plötzlich auch Versorger für 500 Migranten gewesen. „Er ist durch alle Drogeriemärkte in Deggendorf gezogen, um Windeln, Babynahrung und Damenhygieneartikel zu besorgen.“ Auch für die Essensversorgung der Migranten sei der Kollege plötzlich verantwortlich gewesen. Putzkräfte seien noch nicht in ausreichender Zahl vor Ort gewesen. „Dann habe ich zusammen mit einem Zugführer die Durchsuchungsräume geputzt, damit die Kollegen weiterarbeiten können“, erzählt Seeger. „Das haben wir alles aus dem Nichts aufgebaut.“

Den Einsatz werde keiner aus der Einheit vergessen, ist Seeger sicher. „Viele Migranten waren dankbar, dass wir sie gut behandelt haben. Sie haben berichtet, dass wir die Ersten waren, die sie nicht geschubst, geschlagen oder ihnen etwas weggenommen haben.“ Alles in allem sei der Einsatz sehr anstrengend gewesen, aber „er hat uns auch zusammengeschweißt“.

Tag und Nacht im Einsatz

Einsatzzeiten von 13 Stunden standen auf der Tagesordnung der Hundertschaft aus Duderstadt. Hinzu kamen die Fahrten zu den Unterkünften der Beamten, die teilweise bis zu einer Stunde dauerten. Betrieben wurde die Bearbeitungsstraße rund um die Uhr mit jeweils 60 Beamten in Tag- und Nachtschicht. Aufgabe war vor allem die Sachbearbeitung der Migranten, berichtet Hundertschaftsführer Kai Seeger. Dabei wurden die Migranten zunächst abgetastet.

Fotos: Actionreiche Polizeishow im Stadion in Hofgeismar

„Wichtig war, dass wir ihnen kaum etwas weggenommen haben. Geld und Handy zum Beispiel haben wir ihnen gelassen. Nur Ausweisdokumente haben wir zur Datenerfassung abgenommen“, erzählt der 43-Jährige. Das habe Vertrauen geschaffen. „An der Bearbeitungsstraße wurden die Neuankömmlinge fotografiert und ein sogenannter Laufzettel erstellt, bevor sie mithilfe eines Dolmetschers befragt wurden.“ Dabei seien die wichtigsten Daten zur Person aufgenommen worden. Anschließend habe es eine weitere Durchsuchung gegeben und die Personen wurden erkennungsdienstlich erfasst.

Nach diesem Prozedere wurden die Personen in eine Erstaufnahme-Einrichtungen gefahren. Eine Einheit ist immer eine Woche am Stück im Einsatz, bevor sie ausgetauscht wird.

50 Jahre Bundespolizei in Fuldatal

50 Jahre Bundespolizei in Fuldatal

213 Mitarbeiter in Fuldatal

Bei der Direktion Bundesbereitschaftspolizei in Fuldatal sind 77 Polizeivollzugsbeamte und 136 Mitarbeiter im Verwaltungsdienst tätig. Insgesamt hat die Direktion Bundesbereitschaftspolizei eine Stärke von 5408 Polizeivollzugsbeamten und 915 Mitarbeitern im Verwaltungsdienst. „Es gibt keinen Einsatz von nennenswerter Bedeutung, in den wir nicht involviert sind“, sagt Präsident Friedrich Eichele.

Archivvideo: Polizeishow beim Hessentag in Hofgeismar 

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