Ahmed Tubail saß in Palästina fest

Mann aus Fuldatal darf Gaza nach 19 Wochen verlassen

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Der Besuch des Sohnes hat ihr gutgetan: Ahmed Tubail mit seiner Mutter, die er zuvor vier Jahre lang nicht gesehen hatte.

Kassel. Gute Nachrichten aus dem Gaza-Streifen: Wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommt, kann Ahmed Tubail aus Fuldatal nach 19 Wochen endlich ausreisen.

So lange saß der Mitarbeiter der Universität Kassel in dem palästinensischen Autonomiegebiet fest. Tubail war dorthin gereist, um seine schwerkranke 82-jährige Mutter zu besuchen.

„Gott sei Dank, dass dieser Albtraum zu Ende ist“, sagte der 49-Jährige deutsche Staatsbürger, der seit 30 Jahren in der Region Kassel lebt. Nachdem am 11. Juli der Bericht über sein ungewisses Schicksal in der HNA erschienen war, sei Bewegung in die Bemühungen um seine Ausreise gekommen, schildert Tubail.

Innerhalb weniger Tage hätten die jordanischen Behörden ihr Okay für seine Ausreise über den Flughafen der jordanischen Hauptstadt Amman gegeben. Dieses habe die Deutsche Vertretung in Ramallah dann an die israelischen Behörden weitergegeben. Binnen zwei Wochen hätten dann auch die israelischen Behörden seiner Ausreise zugestimmt.

„Ich weiß nicht, woran es die ganze Zeit hing“, sagt Tubail, froh darüber, endlich wieder nach Hause reisen und an seinen Arbeitsplatz am International Center for Higher Education Research an der Uni Kassel zurückkehren zu können. Auch sein Arbeitgeber, Familie und Freunde hatten sich für seine Ausreise aus Gaza starkgemacht.

Wie viele deutsche Staatsbürger mit palästinensischen Wurzeln heute im Bus und in Begleitung der Deutschen Vertretung per Transit durch Israel und über Jordanien ausreisen dürfen, weiß Tubail nicht. Es seien derzeit rund 90 Betroffene, sagt er.

Der Familienvater hofft, am Dienstag seine Frau und die beiden Kinder wieder in die Arme schließen zu können: „Es bleibt noch ein Unsicherheitsfaktor, aber ich bin guter Hoffnung.“

Hoffen auf ein glückliches Ende

Seine Familie hat eine schwere Zeit des Hoffens und Bangens durchgemacht, weiß Ahmed Tubail. „Jetzt sind sie froh und erleichtert.“ Auch seine 82-jährige Mutter, der es nach einem Krankenhausaufenthalt wieder besser gehe, freue sich, dass die Zeit der Ungewissheit endlich ein hoffentlich glückliches Ende nimmt und ihr Sohn zu seiner Familie zurückkehren kann.

Zwar habe er von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gewusst, nach den Erfahrungen früherer Reisen aber nicht damit gerechnet, dass die Ausreise so schwierig werden würde. „Ich hatte ja eine Einreisegenehmigung bei den israelischen Behörden beantragt und wurde gründlich überprüft“, sagte er in einem Telefonat der HNA.

Seine Schwester durfte binnen drei Wochen mit weiteren zehn Kanadiern wieder ausreisen, nachdem sich die kanadischen Behörden eingeschaltet hatten. Ahmed Tubail saß jedoch insgesamt 19 Wochen in dem abgeriegelten palästinensischen Autonomiegebiet fest. Ebenso ging es etwa 90 weiteren Deutschen palästinensischer Herkunft.

Wenn alles gut geht, wird Tubail am heutigen Montag den gleichen Weg zurücknehmen, den er gekommen ist. Da die Ein- und Ausreise über den internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv für palästinensischstämmige Personen nur in dringenden humanitären Fällen erlaubt ist, reiste Tubail über Jordanien und per Transit durch Israel ein. Die Fahrt mit einem Reisebus und einem Begleitfahrzeug der Deutschen Vertretung vom Gaza-Streifen zum Flughafen in der jordanischen Hauptstadt Amman wird mit Kontrollen voraussichtlich sieben Stunden dauern, schätzte Tubail.

Der Fuldataler hofft, noch Montagabend oder Dienstagmorgen einen Flug von Amman nach Deutschland zu bekommen. Denn er darf sich insgesamt nur 72 Stunden in Jordanien aufhalten.

Hintergrund

Ausreise per Transit durch Israel und über jordanischen Flughafen

Der einzige Personenübergang zwischen Israel und dem palästinensischen Autonomiegebiet Gaza-Streifen ist derzeit im nordöstlich gelegenen Erez. Dieser sei insbesondere für humanitäre Fälle und internationale Organisationen geöffnet, erläutert das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite. Über diesen Grenzübergang ist auch der Fuldataler Ahmed Tubail, der an der Kasseler Universität arbeitet, in den Gaza-Streifen gelangt. Er kam über Amman (Jordanien) und passierte mit israelischer Genehmigung israelisches Gebiet. Über diesen Weg möchte er auch wieder zurück. Palästinensischstämmige Ausreisewillige können den abgeriegelten Küstenstreifen per Transit durch Israel jedoch nur verlassen, wenn sie ein besonderes Visum von Jordanien vorweisen können, auch bekannt als das Keine-Einwände-Papier. Dieses wurde für Ahmed Tubail nun kürzlich erteilt. Die Hoffnung, über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten ausreisen zu können, hatte sich zuvor zerschlagen. Dieser wird nur noch in unregelmäßigen Abständen und jeweils nur wenige Tage oder Stunden geöffnet.

Die Sicherheitslage in Israel und den palästinensischen Gebieten ist wesentlich vom israelisch-palästinensischen Konflikt geprägt. Das Auswärtige Amt warnt deshalb dringend vor Reisen in den Gaza-Streifen.

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