Tickende Zeitbombe

Fuldatal: Jetzt wird bei der Bundespolizei Munition geborgen

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Bergungsarbeiten: Unser Bild zeigt den Bundespolizeistandort in Ihringshausen-West. Dort wird ein neues Gebäude gebaut. Wofür es genutzt werden soll, gibt die Bundespolizei bislang nicht bekannt. Im Zuge der Bauarbeiten untersucht der Kampfmittelräumdienst das Areal. 

Fuldatal. Auf dem Gelände der Bundespolizei in Fuldatal-Ihringshausen befinden sich auch nach 70 Jahren noch große Mengen alter Munition aus dem Zweiten Weltkrieg.

Derzeit sind Experten des Kampfmittelräumdienstes auf dem Gelände im Einsatz, um ein Baufeld von den Altlasten zu befreien. Die Arbeiten werden wohl mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

„Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Areal als Munitionsanstalt (Muna) genutzt“, erklärt Gerhard Gossens vom Kampfmittelräumdienst beim Regierungspräsidium in Darmstadt (RP). Das Munitionsdepot wurde in 1940er-Jahren als Versorgungsstützpunkt für die Truppen genutzt.

Gerhard Gossens

Luftaufnahmen der Alliierten, die den Behörden vor gut 30 Jahren zur Verfügung gestellt wurden, zeigen unter anderem diese Munitionsdepots. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Alliierten alle strategisch wichtigen Standorte in und um Kassel fotografiert. Neben den Rüstungsstandorten von Henschel Flugmotoren und Panzer sowie den Fieseler Werken wurden folglich damals auch die Munitionsdepots in Fuldatal abgelichtet. „Wir werten das Bildmaterial aus und informieren die Eigentümer dann, ob ihr Grundstück betroffen ist und dort nach Blindgängern oder Munition gesucht werden muss.“

Die Luftaufnahmen der Alliierten belegen auch, dass sich bereits im Jahr 1943 eine große Explosion auf dem Gelände in Ihringshausen ereignet haben muss: „Damals ist eines der Munitionslager unkontrolliert in die Luft geflogen und die Munition viele Hundert Meter weit verteilt worden“, berichtet Gossens. Er und seine Kollegen vermuten eine Havarie als Ursache für die Detonation.

In den Jahren 1944 und 1945 wurde die Anlage im Zuge der Luftangriffe auf Kassel mehrfach bombardiert. Auch hiervon liegen dem Kampfmittelräumdienst Bilder vor. „Seinerzeit waren einige Bunker im Wald von den Bomben getroffen worden“, erklärt Gossens und ergänzt: „Dort sind also auch Blindgänger zu vermuten.“ Nach Ende des Kriegs seien diese Altlasten nur rudimentär beseitigt worden. Im Zuge der Wiederbewirtschaftung der umliegenden Felder seien Teile der Munition geborgen worden. Auch das Gewerbegebiet in Ihringshausen wurde von Blindgängern und Kriegsmunition befreit „In dem Depot war durch die Explosionen ein großer Trichter entstanden, in dem die Munition später eingefüllt und anschließend gesprengt wurde.“ Bei dieser kontrollierten Detonation wurde laut Gossens aber nur ein kleiner Teil der Munition zerstört. Durch die Detonation sei ein Großteil der Munition mehrere Hundert Meter weit geschleudert worden.

Anschließend wurde das Gelände eingeebnet und mit Erde abgedeckt, bevor die Gebäude des Bundesgrenzschutzes (BGS) auf dem Grundstück errichtet wurden. Obwohl die Munition somit augenscheinlich verschwunden war, lauert die Gefahr noch heute in vier bis fünf Metern Tiefe. Seit Jahrzehnten sind die Sprengkörper und Nebelstoffe in Form von großkalibriger Munition und Granaten eine tickende Zeitbombe.

„Die Munition liegt seit 70 Jahren im Boden und ist der Korrosion ausgesetzt, die immer weiter voranschreitet“, sagt Gossens. Problematisch werde es insbesondere, wenn dabei Teile des Zünders freigelegt werden. Um die Gefahr für die Bauarbeiter so gering wie möglich zu halten, werde deshalb nun das gesamte Baufeld auf dem Bundespolizeigelände akribisch nach Altlasten abgesucht. „Wir haben bereits jede Menge gefunden.“

Sorgfältiges Arbeiten

Da sich das Baufeld in unmittelbarer Nähe zu einem Gebäude befindet, gestalte sich die Räumung schwierig. „Es wird ein paar Wochen dauern. Die Mitarbeiter sind dazu ausgebildet, vorsichtig und sorgfältig zu arbeiten.“

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