Wird Fuldatal jetzt Ausstellungsort?

Geheimnisvoller Besuch im Museum: documenta-Leiter kam mit abgedunkeltem Bus

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Ließ sich vom „Konklave von Rothwesten“ inspirieren: Adam Szymczyk, künstlerischer Leiter der documenta (kleines Foto), kam mit einem abgedunkelten Oldtimer-Bus auf das Museumsgelände gefahren.

Fuldatal. Als Adam Szymczyk, der künstlerische Leiter der documenta 14, kürzlich das Währungsreform-Museum in Fuldatal-Rothwesten besuchte, umwehte das geschichtsträchtige Gebäude ein Hauch des „Konklaves von Rothwesten“ von 1948.

Damals wurden elf führende Finanzexperten in Bad Homburg in einen abgedunkelten Bus gesetzt und in geheimer Mission nach Fuldatal gebracht, um im Haus Posen, wo sich heute das Museum befindet, sieben Wochen hinter Schloss und Riegel die Einführung der D-Mark vorzubereiten. 

Von dieser Geschichte offenbar schwer beeindruckt, kam auch Szymczyk mit seinen rund 25 Mitarbeitern und Künstlern in einem Oldtimer-Bus mit abgeklebten Fensterscheiben nach Rothwesten gefahren, um sich die Geschichte der Währungsreform erklären zu lassen.

Künstlerischer Leiter der documenta 14: Adam Szymczyk

„Ihn hat das Thema der Konklave derart inspiriert, dass er das selbst einmal erleben wollte“, berichtet Museumsleiter Bernd Niesel. „Er hatte sogar vor, sich zur Inspiration mit seinen Künstlern für drei Tage bei uns einzuquartieren“, berichtet der 72-Jährige. Der Museumsverein konnte dem Wunsch jedoch nicht entsprechen: „Wir haben keine Betten“, sagt Niesel. 

Zweieinhalb Stunden hielt sich die künstlerisch hochkarätig besetzte Gruppe um Szymczyk an dem geschichtsträchtigen Ort auf. Die internationale besetzte documenta-Gruppe informierte sich unter anderem in einem Vortrag von Museumsmitarbeiter Hans-Hermann Trost über das Konklave. Der Begriff Konklave stammt übrigens aus der Kirche und beschreibt auch die Versammlung der Kardinäle zur Papstwahl.

Szymczyk soll sich laut Trost bereits im Frühjahr das Währungsreform-Museum angesehen und in der Folge immer wieder Mitarbeiter vorbeigeschickt haben. „Er hat die Atmosphäre hier richtig aufgesogen“, erzählt der 72-Jährige.

Erinnert an die deutsche Währung: Museumsmitarbeiter Hans-Hermann Trost am Original-Tisch der D-Mark-Väter.

Inwieweit das Währungsreform-Museum bei der documenta, die im kommenden Jahr vom 10. Juni bis 17. September in Kassel zum 14. Mal stattfindet, ein Rolle spielen wird, darüber gibt es offiziell noch keine Informationen. „Wir wissen nichts“, versichert Trost. 

Auch die documenta-Leitung hält sich mit konkreten Informationen zurück. „Der Besuch in Rothwesten hatte Recherchegründe, genauso wie zahllose andere Besuche des künstlerischen Leiters in und um Kassel in den letzten drei Jahren“, teilte documenta-Sprecherin Henriette Gallus auf HNA-Anfrage mit, die „zu diesem Zeitpunkt keine näheren Angaben“ machen wollte. Sollte das ehrenamtlich betriebene Währungsreform-Museum Teil der documenta werden, wäre es eine Premiere im Landkreis Kassel.

Historisches Foto aus dem Museum: US-amerikanische Soldaten verladen Kisten mit der deutschen Währung.

Bislang hatten nach Auskunft des documenta-Archivs lediglich drei Künstler einen dauerhaften Ausstellungsort außerhalb der Stadt Kassel: Judith Hopf im Kloster Breitenau (Schwalm-Eder-Kreis/documenta 13), Ferran Adrià mit dem Restaurant „El Bulli“ im spanischen Roses (documenta 12) und Marko Peljhan zur documenta 10 ein Labor bei Lutterberg (Landkreis Göttingen) aufgebaut hatte.

Info: Währungsreform-Museum, Fritz-Erler-Anlage, Edward-Tenenbaum-Straße 1, Fuldatal-Rothwesten. Öffnungszeiten: jeden ersten Samstag im Monat, 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Tel. 05 61/8 20 24 42.

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