Job der ungewöhnlichen Art

Die Gemeinde Fuldatal sucht dringend Sargträger

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Werden gesucht: Die Gemeinde Fuldatal braucht Sargträger. Unser Foto zeigt Sargträger auf einem Friedhof in Mülheim/Ruhr (Nordrhein-Westfalen).

Fuldatal. Ob Erdbestattung oder Urnenbeisetzung - bei jeder Beerdigung braucht es Sargträger, die den Verstorbenen zu Grabe tragen. Ein Nebenjob der ungewöhnlichen Art, der nicht für jeden infrage kommt.

Und so mangelt es vielen Kommunen an bereitwilligen Helfern. So auch der Gemeinde Fuldatal. Sie sucht derzeit „persönlich geeignete Fuldataler Bürger“ - so heißt es in der Stellenausschreibung der Gemeinde - für diese Aufgabe.

Heike Woltschinsky

Was das heißt, erklärt Heike Woltschinsky, die für das Bestattungswesen der Gemeinde zuständig ist: „Ein Sargträger muss kräftig genug und kurzfristig verfügbar sein.“ Denn es liege in der Natur der Sache, dass die Termine recht kurzfristig bekannt werden. Vor allem aber komme es auf das nötige Feingefühl und ein angemessenes Auftreten an. „Gestik, Mimik und die äußere Erscheinung müssen der Situation angemessen sein“, sagt Woltschinskys Kollegin Katharina Moritz.

Katharina Moritz

Vor dem Aufruf im Fuldataler Gemeindeblättchen hatte die Gemeinde nur noch acht Sargträger - der Jüngste 57 Jahre alt, der Älteste 76. „Überwiegend beschäftigen wir Rentner, die zeitlich flexibel sind“, so Woltschinsky. Bei einer Erdbestattung kommen sechs Träger zum Einsatz, bei einer Urnenbestattung lediglich einer. Auch wenn der Trend in den vergangenen Jahren in Richtung Urnenbeisetzung gehe, brauche die Kommune Sargträger in Reserve. „Es sind ja nicht immer alle verfügbar“, erklärt Woltschinsky.

Karl-Heinz Koch

Die Resonanz auf die Anzeige sei eher verhalten. Lediglich zwei Bewerbungen seien nach dem Aufruf eingegangen, berichtet sie. Dabei ist die Arbeit als Sargträger ein Job wie jeder andere, findet Karl-Heinz Koch. Der 73-jährige Fuldataler trägt seit mehr als zehn Jahren. Zu dem Job sei er wie die Jungfrau zum Kinde bekommen, berichtet der gebürtige Kasseler. Ein Bekannter, ebenfalls Sargträger, habe ihn angesprochen. „Wenn Not am Mann ist, helfe ich gerne mal aus“, habe er geantwortet. Jetzt ist Koch zwischen ein- und sechsmal monatlich im Einsatz. „Das schwankt sehr“, sagt der Rentner. Es gebe ruhige Monate und weniger ruhige. Ein Jahr lang hat Koch auch in Kassel als Sargträger ausgeholfen. „Da hatte ich wesentlich mehr zu tun.“

Warum viele Menschen vor einem Job als Sargträger zurückschrecken? „Sterben und Tod sind eben Tabuthemen“, sagt Woltschinsky. „Viele meinen, sie können das nicht. Sie haben vielleicht Angst, sich nicht richtig zu verhalten, die Angehörigen nicht richtig anzuschauen“, vermutet Karl-Heinz Koch. Er selbst kennt diese Scheu nicht. Der 73-Jährige hilft auch beim Bestatter aus. Das Thema Tod ist für ihn nicht tabu, sondern gehört zum Leben dazu. Vielleicht auch, weil er seit 40 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr ist. „Da sieht man so viel.“ Und: „Ich bin ein positiver Mensch.“, sagt er.

Dennoch: Wenn Bekannte zu Grabe getragen werden oder Kinder, dann fällt auch Koch der letzte Gang nicht ganz leicht. „Aber dann ist es auch eine Ehre, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagt er.

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