Gemeinden und Deutsche Bahn bauen Barrierefreiheit an Bahnhöfen aus

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Für Blinde und Sehbehinderte sind Bahnsteige gefährlich: Die Bahnsteige in Fuldatal-Ihringshausen werden durch ein Landesausbauprogramm mit einem taktilen System ausgestattet.

Fuldatal. Um die Barrierefreiheit an kleinen hessischen Bahnhöfen zu verbessern, investieren Bund und Land 30 Millionen Euro in die Modernisierung von Haltestellen mit weniger als tausend Fahrgästen am Tag.

Im Landkreis Kassel profitieren gleich zwei Bahnhöfe von dem Landesprogramm, der in Fuldatal-Ihringshausen und der in Baunatal-Guntershausen. In Baunatal werden die Bahnsteige durch zwei Rampen und einen Aufzug barrierefrei. Investitionssumme vom Land: 2,08 Millionen Euro (wir berichteten). In Fuldatal-Ihringshausen, dessen Bahnsteige bereits barrierefrei sind, werden 120 000 Euro in ein taktiles Leitsystem investiert. Das bietet blinden und sehbehinderten Menschen mehr Orientierungshilfe. Deshalb wird der Bahnsteig an wichtigen Stellen durch Bodenplatten mit Noppen und Rillen ergänzt, die Sehbehinderte leiten und warnen. Die unterschiedliche Bodenstruktur kann durch einen Blindenstock ertastet und interpretiert werden.

Laut dem Nordhessischen Verkehrsverbund nutzen etwa 360 Fahrgäste täglich den Bahnsteig. Wie viele von ihnen sehbehindert sind, lässt sich nicht ermitteln.

Keine Kosten für Gemeinde 

„Unser Bahnhof ist bereits weitestgehend barrierefrei erreichbar, weshalb in ein Blindensystem investiert wird und der Bahnhof so sicherer wird“, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU) auf Anfrage der HNA. Der Gemeinde Fuldatal fallen keine Kosten an, denn auch der Eigenanteil würde übernommen, so der Rathauschef. Die Bauarbeiten sollen nun zügig beginnen.

Im Rathaus werde parallel überlegt, den bereits bewilligten Antrag der CDU aus dem Jahr 2014 umzusetzen. Demnach sollen die Parkplätze des Bahnhofs befestigt werden.

Wenn die Fahrgäste von den Plänen hören, nicken einige zustimmend. Andere sind unzufrieden. Ja, barrierefrei seien die Bahnsteige schon, aber mit dem Rollator sei der Weg von einem Bahnsteig zum anderen sehr mühsam. Der führe nämlich über eine Fußgängerbrücke. „Ich glaube, es sind 30 Stufen hoch und dann wieder genauso viele runter“, berichtet Horst Lückner, der gerade auf den Zug zurück nach Kassel wartet. Barrierefrei sei das für den 73-Jährigen nicht. Der barrierefreie Weg hingegen sei ein Umweg, führe ihn am Rathaus vorbei auf die Brücke der Veckerhagener Straße. Dieser Weg koste ihn 20 Minuten.

Am Bahnsteig warten gerade die Fahrgäste auf den Cantus zum Kasseler Hauptbahnhof, der hat aber Verspätung: Er sollte um 12.05 Uhr kommen, auf der Anzeige ist es aber schon 12.12 Uhr. „Lieber sollte man in eine digitale Anzeige investieren“, schlägt Ilka Henning vor. Die ständen in Kassel an jeder Haltestelle. „Die haben hier auch Lautsprecher, aber benutzen tun sie die auch nicht.“ Die 68-Jährige ist erleichtert, als um 12.16 Uhr endlich der Zug nach Kassel einfährt, schließlich muss sie noch einen anderen Zug erreichen.

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