Spätestens in einem Jahr

Desolate Zustände: Kreis will Flüchtlingsheim in Fuldatal schließen

Fuldatal. Reagieren wird der Landkreis Kassel auf die teils unhaltbaren Zustände im Flüchtlingsheim in Ihringshausen: In spätestens einem Jahr soll die Einrichtung geschlossen sein.

Das sagte am Mittwoch Kreispressesprecher Harald Kühlborn während eines Ortstermins mit der HNA. „Dann wird man hier niemanden mehr sehen.“

Als Ausweichquartier hat der Kreis Teile der leer stehenden Räumlichkeiten der früheren Fritz-Erler-Kaserne in Rothwesten ins Auge gefasst. „Wir stehen in sehr guten Verhandlungen, diese Liegenschaft mietfrei übernehmen zu können“, betonte Kühlborn. In die Sanierung der früheren Kaserne will der Kreis 100.000 Euro investieren.

Lesen Sie auch:

Vorwurf: Schimmel und Ratten in Fuldataler Flüchtlingsheim

Der Kreisssprecher verwahrte sich aber gegen Vorwürfe von Flüchtlingen und Unterstützern in der HNA, in der Unterkunft in Ihringshausen herrschten menschenunwürdige Bedingungen. Auch die Bewohner müssten im Umgang miteinander und mit dem Mobiliar ihren Teil dazu beitragen, dass das Zusammenleben funktioniere. So bestätigte Kühlborn Aussagen des Hausmeisters, dass schon mal menschliche Exkremente in der Ecke statt im Klo landeten und in angetrunkenem Zustand einfach auf den Boden uriniert worden sei: „Das ist leider so.“ Nach Auskunft des Hausmeisters würde auch einfach mal so die Tür des Zimmers eingetreten, wenn der Bewohner seinen Schlüssel vergessen habe.

Dass unter den Bewohnern auch „ganz harte Jungs“ seien, weiß auch Kühlborn. Deswegen bringe der Kreis in Ihringshausen seit Längerem keine Familien mit Kindern mehr unter. Der Kreis will jetzt das Betreuungsangebot bis zur Schließung erweitern und dem Heimleiter, der eine pädagogische Ausbildung hat, und dem Hausmeister eine zusätzliche Kraft als Anlaufstelle für die Bewohner zur Seite stellen.

Eine Reinigungskraft würde dreimal die Woche für fünf Stunden kommen, die Toiletten würden täglich gesäubert. Nur für den Zustand ihrer Zimmer seien die Hausbewohner selbst verantwortlich. Was nach Auskunft des Hausmeisters nicht immer funktioniere. Nicht selten sei zum Beispiel ein Zweibettzimmer nach dem Auszug der Bewohner in einem solch schlechten Zustand, dass man zwei Tage und zehn Kilogramm Farbe brauche, um sie für die Neubelegung wieder herzurichten.

14 Herde in sechs Monaten

Der langjährige Betreiber der Anlage, die Human Care GmbH aus Bremen, reagierte gestern auf HNA-Anfrage ebenfalls auf die Situation im Flüchtlingsheim. Demnach würden defekte Geräte im sanitären Bereich und in der Küche „zeitnah repariert oder gegen eine neue Ausstattung ausgetauscht“. So beliefen sich die Reparaturkosten von 2012 bis 2014 auf 45 000 Euro. Zudem seien allein im zweiten Halbjahr 2014 folgende technische Geräte neu angeschafft worden: 14 Kochherde, zehn Spinde, acht Kühlschränke und zwei Waschmaschinen.

Auch wenn das Gebäude „trotz der Instandhaltungsmaßnahmen unübersehbare Gebrauchsspuren zeigt, ist stets sichergestellt, dass wir mit der Ausstattung alle Voraussetzungen der Landesverwaltung erfüllen“, hieß es abschließend.

Von Stefan Wewetzer

Bilder aus dem Fuldataler Flüchtlingsheim

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.