Ehepaar aus Fuldatal wurde Opfer der neuen Masche

Dubiose Wohnmobilverkäufer bieten unterschlagene Fahrzeuge im Internet an

Betrugsopfer: Mario Hassmann hatte schon mit der Reparatur des gekauften Wohnmobils begonnen, bevor die Kriminalpolizei Kassel das Fahrzeug am 18. November 2015 in Ihringshausen stilllegte. Jetzt steht das Wohnmobil seit Monaten auf seinem Firmengrundstück und darf nicht mehr bewegt werden.

Fuldatal. Die Betrugsmasche, der Mario und Stephanie Hassmann aus Fuldatal-Ihringshausen aufgesessen sind, ist perfide.

Und die Geschichte, wie das Unternehmerpaar den Tätern schließlich auf die Spur gekommen ist, klingt wie der Stoff aus einem Kriminalroman.

Am 15. November 2015 hatten die Hassmanns ein gebrauchtes Wohnmobil für 26 000 Euro gekauft. „Der Kontakt zu dem Verkäufer war über das Internetportal Mobile.de entstanden“, berichtet das Ehepaar. Dass es sich bei dem weißen Fiat Ducato um ein unterschlagenes Wohnmobil aus dem Raum Berlin handelte, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Umso größer war die Verwunderung, als drei Tage später Beamte der Kriminalpolizei aus Kassel vor der Tür standen. „Die Polizisten haben die Fahrzeugpapiere und die Schlüssel beschlagnahmt. Seitdem steht das Wohnmobil auf unserem Grundstück und verrottet“, erzählt Mario Hassmann.

Offenbar hatte der ursprüngliche Eigentümer – also der Inhaber des Wohnmobilverleihs aus dem Großraum Berlin – Verdacht geschöpft, dass die Angaben des Kunden falsch sein könnten, und die GPS-Daten des Wohnmobils ausgelesen. Wie sich später herausstellte, hatte der Mieter gefälschte Ausweisdokumente hinterlegt: „Die Fotos im Führerschein und im Personalausweis waren nicht identisch“, sagen die Hassmanns.

Anhand der GPS-Daten konnte das Bewegungsprofil des Ducatos nachvollzogen werden. Nachdem der Betrüger das Wohnmobil angemietet hatte, fuhr er zunächst nach Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein). Dort hatte er das Fahrzeug mehrere Tage abgestellt, bevor er wieder zurück nach Berlin fuhr, um es an das Unternehmerpaar aus Ihringshausen zu verkaufen.

„Ich bin damals noch in Berlin auf einer Polizeiwache gewesen, um die Fahrzeugpapiere prüfen zu lassen und um mich abzusichern“, erzählt Mario Hassmann, der einige Jahre zuvor schon einmal betrogen wurde. Da das Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt laut Polizei nicht als gestohlen gemeldet war, zahlte er in gutem Glauben die 26 000 Euro. „Später stellte sich heraus, dass der Kfz-Brief Monate zuvor in Düsseldorf aus den Räumen einer Verkehrsbehörde gestohlen wurde und seit einem halben Jahr zur Fahndung ausgeschrieben war“, sagt Hassmann. Dass es sich bei den Fahrzeugpapieren um einen gestohlenen Blankobrief – in den die Fahrgestellnummer und ein fiktiver Vorhalter eingetragen wurden – handelte, bestätigt Thomas Fels von der Staatsanwaltschaft Berlin, die ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs eingeleitet hatte. Das wurde aber nach Paragraf 154 Strafgesetzbuch wieder eingestellt. Grund: Die Betrüger hatten sich der Personalien eines Dritten bemächtigt.

Dass im Januar dieses Jahres einer der mutmaßlichen Täter auf frischer Tat ertappt werden konnte, ist den privaten Ermittlungen der Hassmanns zu verdanken. Sie begaben sich im Internet auf Spurensuche und fingierten einen weiteren Wohnmobilkauf in Berlin. In Zusammenarbeit mit der Kripo konnte Mitte Januar ein Mann in einer Nebenstraße des Kurfürstendamms in Berlin festgenommen werden. „Bei der fingierten Übergabe konnte ein Täter ermittelt werden, gegen den jetzt ein Ermittlungsverfahren läuft“, bestätigte Fels auf HNA-Anfrage. Zum Stand der Ermittlungen will die Staatsanwaltschaft Berlin aber erst in zwei Wochen eine Auskunft geben.

Das sagt das BKA 

Da es sich um einen klassischen Betrugssachverhalt handelt, wird die Unterschlagung von Wohnmobilen nicht gesondert in der Kriminalitätsstatistik erfasst, sagt Jennifer Kailing von der Pressestelle des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden. Wäre das Wohnmobil gestohlen worden, gebe es konkrete Zahlen im Bereich Fahrzeugdiebstahl. Dem BKA sei aber bekannt, dass es sich bei dieser Form von Unterschlagung und Betrug um eine Masche handelt.

Hintergrund: BGH-Urteil: Der Kaufvertrag bleibt gültig 

Wird ein angemietetes Fahrzeug nicht zurückgegeben, sondern unterschlagen und anschließend weiterverkauft, hat der ursprüngliche Eigentümer des Fahrzeugs keine Ansprüche mehr auf das Fahrzeug. Der Geschädigte kann das Fahrzeug, das in guten Glauben erworben wurde, nicht von dem Käufer zurückfordern. Der ursprüngliche Besitzer ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht mehr Vertragspartner in dem Verkaufsgeschäft, selbst wenn er im Kaufvertrag als Verkäufer eingetragen ist, besagt ein Urteil vom 1. März 2013 (V ZR 92/12). „Tritt der Veräußerer eines unterschlagenen Kraftfahrzeugs unter dem Namen des Eigentümers auf, wird Vertragspartner des Erwerbers grundsätzlich die unter fremdem Namen handelnde Person und nicht der Eigentümer, sofern der Kauf sofort abgewickelt wird.“

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