Merkurtransit in der Sternwarte Rothwesten

Hobby-Astronomen auf den Spuren des Merkurs

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Die Hobby-Astronomen Andreas Doerr (links) und  Ralf Gerstheimer auf den Spuren des Merkurs.

Fuldatal. Nach 13 Jahren Wartezeit kann von der Volkssternwarte Rothwesten wieder ein Merkurtransit beobachtet werden. Ein Ereignis, das Astronomen seit Jahrhunderten fasziniert.

Viele Handgriffe sind gleich geblieben, seit Hobby-Astronom Andreas Doerr 1970 zum ersten Mal den Planeten Merkur durch ein Teleskop der Volkssternwarte Rothwesten zu Gesicht bekam. Die Kuppel der Sternwarte muss geöffnet und in die richtige Richtung gedreht werden, die Teleskope müssen korrekt ausgerichtet und eingestellt sein und die Filter zum Schutz der Augen müssen sich auf den Objektiven befinden. Dank dieser Vorbereitung ist es dann möglich, auf den Tag genau 46 Jahre nachdem der 60-Jährige aus Helsa erstmals einem solchen Ereignis beiwohnte, zu beobachten wie sich der Merkur zwischen Erde und Sonne schiebt.

Der Merkur (links) auf seinem Weg um die Sonne.

„Als Jugendlicher war das immer ein Erlebnis zur Sternwarte zu fahren“, erzählt Doerr, der damals mit dem Gründer der Volkssternwarte, Georg Spitzer, durch die Teleskope schaute. Was er dabei im Weltall entdeckte, zeichnete er per Hand nach. Statt Papier und Bleistift benutzt sein Kollege Ralf Gerstheimer heute einen Computer. Zahlreiche Kabel führen von den Objektiven der Teleskope zu einem Rechner, der dann die Bilder auf einen Monitor überträgt. Jede Sekunde wird dabei aufgezeichnet, um später die Wanderung des Merkur über die Sonnenscheibe genau nachverfolgen zu können – in schwarz-weiß, da die Aufnahmen aus dem All so schärfer sind. „Ein wirklich störungsfreies Bild hat man aber nur vom Weltraum aus“, erklärt der 56-Jährige aus Dörnberg. Die größten Störungen durch die Erdatmosphäre entstünden dabei erst fünf Kilometer über dem Boden.

Kurz bevor der innerste Planet des Sonnensystems sich vor die riesige hell leuchtende Scheibe schieben soll, blicken die Hobby-Astronomen und einige Besucher gebannt auf den Monitor. Die Spannung steigt. Noch einmal werden letzte Korrekturen an den Teleskopen vorgenommen, immer wieder auf die Uhr geschaut. „Jetzt kommt er“, ruft Gerstheimer dann. Man muss genau hinschauen, um den kleinen unscheinbaren Punkt zu erkennen, der sich langsam vor die Sonne schiebt. Für Astronomen war es daher früher eine Herausforderung, den exakten Moment zu erkennen, an dem der sogenannte Merkurtransit beginnt. „Man konnte eben nicht einfach noch mal das Video ansehen“, sagt Gerstheimer.

Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Beobachtung, habe man sich für astronomische Berechnungen, wie der Ermittlung der Entfernung zwischen Erde und Sonne, eher auf die Bahnen der größeren Venus verlassen. Da es aber auch hier Ungenauigkeiten durch atmosphärische Störungen gegeben habe, sei das gewünschte Ziel nicht erreicht worden. Stattdessen habe man das Problem später mithilfe des Mars gelöst.

Ihre Faszination haben die innersten Planeten unseres Sonnensystems aber bis heute nicht verloren. Im Gegensatz zur Venus können Hobby-Astronomen den Merkur aber wesentlich häufiger vor der Sonne beobachten. „Einen Venustransit können die Meisten nur zwei Mal im Leben sehen", sagt Gerstheimer. Zuletzt konnte man einen vollständigen Merkurtransit vor 13 Jahren beobachten. 2026 wird der kleine, aber bedeutsame Planet erneut als winziger, schwarzer Punkt vor der Sonne erscheinen. Ein teilweiser Merkur-Transit wird bereits 2019 zu sehen sein. Dann wird sicher auch Andreas Doerr wieder zum Himmel schauen: „Auch nach so vielen Jahren ist meine Begeisterung immer noch da."

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