CDU-Bürgermeister kritisiert

SPD verteilte Post in Fuldatal: Amtsmissbrauch?

Ein Dankeschön: Der SPD-Unterbezirk lud alle Mitglieder des Unterstützerkreises in Fuldatal zum Gedankenaustausch ein. Repro : HNA

Fuldatal. Hat sich der SPD-Unterbezirk Kassel-Land des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht? Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU) sagt Ja.

In weißen Briefumschlägen soll Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) offenbar an der Gemeinde vorbei Einladungen des SPD-Unterbezirks in den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge in Fuldatal verteilt haben. Grund: Den Ehrenamtlichen des Unterstützerkreises will die SPD für ihr Engagement in der Flüchtlingsarbeit Danke sagen.

„Es wäre doch ein guter Stil gewesen, die Gemeinde einzuladen“, kommentierte Fuldatals Bürgermeister, der die Aktion als „stillen und heimlichen Wahlkampf“ wertete. Nach Angaben des Verwaltungschefs wurden auch Mitarbeiter der Gemeinde unwissentlich bei der Verteilung der Einladung eingespannt. Schreiber ist über diese Gebahren verärgert, schließlich hätten die Gemeinde und der Landkreis einen großen Anteil an der Flüchtlingsarbeit. In Fuldatal leben aktuell 259 Flüchtlinge, davon 69 in Wohnungen und 190 in Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises.

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Timon Gremmels entschuldigte sich unterdessen für den Vorfall: „Es tut mir leid, dass war nicht unsere Intention“, sagte er auf HNA-Anfrage. Die SPD habe sich bewusst nicht darüber profilieren wollen und die Einladung nicht aus parteipolitischem Kalkül ausgesprochen. „Das war ein Versagen unsererseits. Wir wollten niemanden außen vor lassen, das war kein böser Wille.“ Eine weitere Veranstaltung sei nach den Osterferien geplant, dann werde die SPD auch den Bürgermeister einladen, versprach Gremmels.

Grund für die Verteilung der Einladungen durch die Vizelandrätin sei lediglich dem Datenschutz geschuldet: „Wir hatten keine Adressen, konnten die Ehrenamtlichen nicht direkt anschreiben und haben leider auch nicht alle erreichen können“, begründet der Unterbezirksvorsitzende das Vorgehen.

Auch Vizelandrätin Susanne Selbert nahm Stellung zu dem Vorfall und schrieb: „Ich gebe gerne unseren ehrenamtlichen Unterstützern und unseren Hausleitungen Einladungen weiter, die dazu dienen, die Arbeit der Helfer zu würdigen und zu unterstützen.“ Dies würde sie selbstverständlich auch für alle anderen im Kreistag vertretenen Parteien und für weitere Institutionen oder gesellschaftliche Gruppierungen tun.

Die Vizelandrätin unterstütze solche Einladungen auch deshalb, weil es im Bereich der Kultur des Danksagens noch Nachholbedarf gebe. Daher würde sie sich freuen, wenn sich alle im Kreistag vertretenen Parteien, mit den Unterstützerkreisen, für deren Arbeit sie sehr dankbar sei, austauschten, damit sich möglichst viele Kreistagsmitglieder über das Engagement informieren könnten. „Ich gebe übrigens auch in anderen Themenbereichen regelmäßig Einladungen Dritter an andere potenziell interessierte Gruppen weiter, wie zum Beispiel zur Klimakonferenz in Kassel oder wenn sich die Behindertenbeauftragten im Landkreis treffen“, sagte sie.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.