Teil eines Naturschutzgebiets

Die verbotenen Fulda-Inseln bei Gut Kragenhof

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Biotop inmitten der Fulda: Auf der Enteninsel, einer von drei Inseln im Fluss bei Gut Kragenhof, wuchert das Grün. Die kleinen Eilande bilden die Grenze des Naturschutzgebiets. Der Bereich rechts von ihnen ist für Menschen tabu. Boote müssen die Inseln links passieren. Im Hintergrund am Ufer verläuft die Bundesstraße 3.

Fuldatal. An der Spitze der Enteninsel wuchert Springkraut, das üppige Grün auf dem schmalen, von einer Birke überragten Eiland reicht bis knapp über das Wasser der Fulda. Ein Durchkommen auf der Insel gibt es nicht, und soll es auch nicht geben.

Denn die Enteninsel, die benachbarte Ralleninsel und ein kreisrundes namenloses Eiland bilden mitten in dem Fluss die Grenze des Naturschutzgebiets Kragenhof. Das rund 90.000 Quadratmeter umfassende Areal - die Fläche entspricht der Größe von etwa zwölf Fußballfeldern - ist für Menschen tabu.

Für das Naturschutzgebiet gilt ein sogenanntes Betretungsverbot. Denn das Gewässer zwischen den Inseln und dem Uferstreifen bei Gut Kragenhof ist ein wichtiger Lebensraum für Wasservögel.

In der malerischen Fuldaschleife zwischen Simmershausen und Wahnhausen leben, brüten und rasten die Tiere. Anzutreffen sind unter anderem Blessrallen, Haubentaucher und Schwäne.

Durchfahrt verboten: Große Schilder zeigen an, dass der Bereich für Wasserfahrzeuge tabu ist. Wer die Schilder ignoriert, muss mit einem Bußgeld von 300 Euro rechnen.

Damit sie ihre Ruhe haben, dürfen auch Wassersportler nicht in das Naturschutzgebiet vordringen. „Dort gilt ein Durchfahrtverbot, und zwar für Wasserfahrzeuge mit und ohne Motor“, sagt Alexander Lorch, Chef der Wasserschutzpolizei in Kassel. Gleich mehrere große, rot-weiße Schilder weisen darauf hin. Wer sie ignoriert, muss tief in die Tasche greifen. 300 Euro werden für jene fällig, die mit ihrer Motoryacht oder mit dem Paddelboot in der Tabuzone unterwegs sind. Selbst das Anlegen an den Inseln ist verboten. „Bei unseren Streifenfahrten registrieren wir immer wieder Verstöße, aber nicht massiv“, berichtet der Polizeihauptkommissar.

Auch gebe es Zeugen, die das verbotene Verhalten von Wassersportlern anzeigten. Laut Lorch handeln allerdings die wenigsten Erwischten vorsätzlich. So mancher Paddler kenne schlicht die Gebots- und Verbotszeichen für die Binnenwasserstraßen nicht. Der Wasserschutzpolizist appelliert daher insbesondere an Paddler, sich mit den Regeln vertraut zu machen. Gemeinhin sei die Akzeptanz gegenüber dem Naturschutz allerdings groß, weiß Lorch. Die heutigen Inseln waren übrigens noch vor wenigen Jahrzehnten die höchsten Erhebungen am Fuldaufer bei Kragenhof. Erst im Zuge des Baus der Staustufe Wahnhausen vor knapp 40 Jahren, die die Fulda im Bereich des Schocketals bei Simmershausen faktisch zu einem bis zu 100 Meter breiten See werden ließ, wurden sie vom Wasser umspült.

Naturschutzgebiete: Flächen sind nur eingeschränkt nutzbar

Der Status eines Naturschutzgebiets ist - abgesehen von den seltenen Nationalparks - die strengste Kategorie, in die ein Areal eingestuft werden kann. Rechtliche Grundlage dafür ist das Bundesnaturschutzgesetz. 

Refugium für Wasservögel: In dem Naturschutzgebiet ziehen auch Schwäne ihren Nachwuchs auf.


Die Ausweisung eines Geländes als Naturschutzgebiet ist in aller Regel mit Nutzungseinschränkungen für den Eigentümer verbunden. So können beispielsweise das Fischerei- und das Jagdrecht eingeschränkt und ein Betretungsverbot erlassen werden. In Hessen sind Naturschutzgebiete mit einem dreieckigen Schild gekennzeichnet, das einen Seeadler in einem grünen Dreieck zeigt. Im Landkreis Kassel gibt es neben dem im September 1981 ausgewiesenen Naturschutzgebiet bei Gut Kragenhof zurzeit 45 weitere Naturschutzgebiete.

Tempolimit auf dem Wasser

Für Wassersportler gelten auf der Fulda klare Regeln. So achten die Beamten der Wasserschutzpolizei, die ihren Posten im Kasseler Hafen haben, bei ihren Streifenfahrten darauf, dass Boote nicht zu schnell fahren. Flussabwärts, also in Fahrtrichtung Hann. Münden, beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 18 Kilometer pro Stunde (km/h). Flussaufwärts, also in Richtung Kassel, sind zwölf km/h erlaubt. Eine Ausnahme gilt zu festgelegten Zeiten für die rund einen Kilometer lange Wasserski-Strecke. Sie befindet sich oberhalb des Ausflugslokals Graue Katze. Anonym dürfen Boote nicht unterwegs sein. Boote ohne Motor oder mit geringer Leistung müssen mit Bootsnamen (außen) sowie mit Name und Anschrift des Eigentümers gekennzeichnet sein. Stärkere und längere Boote müssen ein amtliches Kennzeichen (außen) tragen.

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